Konjunktur
Krise verhagelt Japans Leistungsbilanz

Erstmals seit 13 Jahren weist die Leistungsbilanz Japans ein Defizit aus. Wie die Regierung in Tokio mitteilte, betrug das Minus im Januar umgerechnet 1,4 Milliarden Euro. Es fiel damit größer aus als erwartet. In Folge der Wirtschaftskrise sind die Exporte Japans zum vierten Mal hintereinander zurückgegangen.

TOKIO. Japan rutscht tiefer in die Rezession als bisher angenommen. Die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft musste im Januar sein erstes Leistungsbilanzdefizit seit 13 Jahren hinnehmen. Zugleich schoss die Zahl der Insolvenzen nach oben. Die Börse reagierte prompt. Der Aktienindex Nikkei fiel auf dem niedrigsten Stand seit siebenunzwanzig Jahren. Die Kurslinie fiel damit sowohl an dem Tiefpunkte nach der Dotcom-Krise als auch an dem Tiefpunkt nach japanischen Immobilienkrise vorbei.

Die japanische Handelsbilanz liegt bereits seit vergangenen November im Minus. Mit der Leistungsbilanz taucht nun auch der breiteste gefasste Indikator für die Zahlungsströme eines Landes unter die Nullinie. Bis Dezember strömte unter dem Strich noch Anlegergeld nach Japan und hat die Verluste im Handel ausgeglichen. „Japanische Investoren blieben im großen Stil Käufer ausländischer Wertpapiere, während sich die Flucht internationaler Anleger aus dem japanischen Markt fortsetzte“, schreibt Yuriko Tanaka von Goldman Sachs. Die Werte fielen ein vielfaches schlechter aus, als Ökonomen zuvor geschätzt hatten.

Im vergangenen Jahr galt Japan zunächst als Insel, um das die Krise in gewissem Umfang einen Umweg machen würde. Das zeigte auch der steile Anstieg der japanischen Währung, des Yen, von September bis Dezember. Inzwischen belegen fast täglich neue Daten, dass Japan international mindestens ebenso verknüpft ist wie anderen große Volkswirtschaften. Das Land ist deshalb in der Krise mitgefangen, obwohl Japans Banken eher vorsichtig gewirtschaftet hatten.

Der japanische Leitindex Nikkei fiel auf ein neues Tief von 7086 Yen und nähert sich nun gefährlich der Linie von 6000 Yen. Analysten zufolge haben hier jedoch schlechte Nachrichten aus der EU-Finanzwelt eine größere Rolle gespielt als die inländischen Hiobsbotschaften. Japans Wirtschaft hängt so stark vom Abschneiden der USA, Chinas und Europas ab, dass Hinweise auf die Geschwindigkeit der Erholung dort die Hauptfaktoren für den Nikkei geworden sind. Japanische Aktien sind bisher verhältnismäßig stark abgestürzt und haben prozentual mehr verloren als beispielsweise der Dax. fielen die drei großen Finanzgruppen Mitsubishi UFJ, Mizuho und Sumitomo Mitsui erneut besonders stark.

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