Konjunktur
"Made in Germany" ist wieder gefragt

Die deutsche Industrie arbeitet sich langsam aus der Rezession heraus: Weil die Nachfrage nach Produkten "Made in Germany" ist Wachstum wieder zum Greifen nahe. Die Zahl der Aufträge ist stark gestiegen.
  • 0

HB BERLIN. Der Auftragseingang beschleunigte sich im September und war so stark wie seit anderthalb Jahren nicht mehr, wie aus der am Donnerstag veröffentlichten Markit-Umfrage unter 500 Unternehmen hervorgeht. Zudem steigerten die Firmen ihre Produktion bereits den dritten Monat in Folge, wenngleich nicht mehr so stark wie im August. "Die Erholung hat hier zwar an Tempo verloren, aber die Verbesserung bei den Bestellungen ist Grund für Optimismus, dass das nur eine vorübergehende Pause ist", sagte Markit-Volkswirt Tim Moore.

Vor allem die Hersteller von Konsumgütern steigerten ihre Produktion, aber auch bei Investitionsgütern und Vorleistungsgütern ging es aufwärts. Die Firmen profitierten dabei von dem Nachfrageschub: Unternehmen berichteten über eine allgemeine Aufhellung in ihrem Geschäftsumfeld, was die Bestellungen angekurbelt habe. Zudem trafen sie nach eigenen Angaben mit ihren Werbeaktionen den Nerv der Kunden. Auch Preissenkungen lösten Orders aus.

Der Markit/BME-Einkaufsmanagerindex stieg um 0,4 Punkte auf 49,6 Zähler, vorläufige Berechnungen wurden damit bestätigt. Das Barometer blieb aber wie seit August 2008 unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Nach dem Geschäftseinbruch zu Jahresbeginn lösten sich die Firmen aus der Krise, sagte Moore. Sie seien jedoch noch nicht zur Tagesordnung zurückgekehrt. So ging der Arbeitsplatzabbau im September weiter, auch wenn weniger Jobs wegfielen als zuletzt. Vor allem Investitionsgüterhersteller strichen Stellen und reagierten damit auf die massiven Überkapazitäten.

Auch der Lagerabbau hielt an. "Das zeigt, dass die steigende Nachfrage hier erst eine Trendwende auslösen muss", schrieben die Markit-Experten. Die Firmen wollten vielmehr durch die Reduzierung der Bestände ihre Kosten senken und Kapital frei machen. Zugleich kauften die Firmen weniger ein als im Vormonat. Die deutsche Wirtschaft hat sich im Frühjahr aus der Rezession gelöst; für das Sommerquartal rechnen Experten sogar mit einer deutlichen Konjunkturbelebung. Dabei erwarten sie auch eine Erholung der Industrie. Die deutschen Maschinenbauer etwa sehen trotz starker Auftragsrückgänge den Tiefpunkt erreicht.

In den Euroländern stieg der Einkaufsmanagerindex des Markit-Instituts um 1,1 auf 49,3 Punkte und erreichte damit den höchsten Stand seit 16 Monaten. Wachstum wird allerdings erst ab 50 Zählern signalisiert.

Der Stellenabbau setzte sich unterdessen fort. "Die Arbeitsplatzverluste waren weit verbreitet, da die Unternehmen mit sinkenden Gewinnmargen kämpfen", sagte Markit-Experte Chris Williamson. "Das zeigt, wie zerbrechlich die Erholung ist." Die Arbeitslosenquote in der Währungsunion war im August auf das Zehn-Jahres-Hoch von 9,6 Prozent gestiegen.

Ein schneller Aufschwung ist für die Industrie nicht in Sicht. Die Teilindex für die Exportaufträge verharrte bei 50,1 Punkten und zeigt damit nur ein minimales Wachstum an. Den Exporteuren macht neben der schleppenden Nachfrage auch der starke Euro zu schaffen, der der Konkurrenz in Amerika und Asien Wettbewerbsvorteile verschafft.

Kommentare zu " Konjunktur: "Made in Germany" ist wieder gefragt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%