Konjunktur
Mehr Wachstum, aber stärkere Kreditklemme

Die positiven Zeichen mehren sich: Konjunkturexperten haben für das dritte Quartal eine beschleunigte Erholung der deutschen Wirtschaft registriert und auch die Stimmung von Unternehmern und Verbrauchern in der Euro-Zone verbesserte sich leicht. Allerdings haben große Industriefirmen Anlass zur Klage.
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HB BERLIN/BRÜSSEL. Die Erholung der deutschen Wirtschaft hat sich dem DIW zufolge im dritten Quartal beschleunigt. Das Bruttoinlandsprodukt werde von Juli bis September um 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zulegen, hieß es in dem am Dienstag veröffentlichten Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Im Frühjahr gab es ein Wachstum von 0,3 Prozent, dem eine einjährige schwere Rezession vorausgegangen war.

„Diese positive Nachricht darf über eines nicht hinwegtäuschen: Nach dem herben Einbruch in der Krise bewegt sich die ökonomische Aktivität in der Industrie immer noch auf dem Niveau von vor zehn Jahren“, sagte DIW-Konjunkturexperte Stefan Kooths. Deren Wertschöpfung habe um 2,1 Prozent zugelegt. Der Bausektor sei dagegen um 0,3 Prozent geschrumpft. Die massiven Investitionen des Staates reichten nicht hier aus, um das Minus im Wirtschafts- und Wohnungsbau auszugleichen.

Für die öffentlichen und privaten Dienstleister sagt das DIW ein Wachstum von 0,2 Prozent voraus. Für die Bereiche Handel, Gaststätten und Verkehr (plus 0,4) sowie Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleister (plus 0,3) wird ebenfalls eine Erholung erwartet.

Die Stimmung von Unternehmern und Verbrauchern in der Euro-Zone verbesserte sich im September ebenfalls leicht. Der Economic Sentiment Index (ESI) kletterte um zwei auf 82,8 Punkte, wie die EU-Kommission am Dienstag mitteilte. Im März hatte es noch ein Rekordtief von 64,6 Zählern gegeben. Seitdem geht es bergauf, das Tempo der Erholung lässt allerdings nach. Der Indikator liegt zudem noch deutlich unter seinem langjährigen Durchschnitt.

Volkswirte hatten für September mit einem Anstieg auf 82,2 Punkte gerechnet. Dabei verbesserte sich die Stimmung in der Industrie, bei den Dienstleistern, in der Bauwirtschaft und bei den Verbrauchern. Im Handel hingegen trübte sich die Stimmung leicht ein. Das Barometer setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen, wobei die Industrie 40 Prozent, Verbraucher und Handel dagegen nur jeweils fünf Prozent ausmachen. Das Geschäftsklima im Währungsgebiet erholte sich leicht auf minus 2,07 von revidiert minus 2,18 Punkten.

In den ESI gehen das Industrievertrauen mit 40 Prozent und das Dienstleistungsvertrauen mit 30 Prozent ein. Das Verbrauchervertrauen steuert 20 Prozent bei. Das Bauwirtschafts- und das Einzelhandelsvertrauen werden zu jeweils fünf Prozent gewichtet.

Einer aktuellen Ifo-Studie zufolge klagen die Unternehmen in Deutschland auch weniger stark über einen schwierigen Zugang zu Bankkrediten. Im September bezeichneten 43,7 Prozent der Firmen die Kreditversorgung als restriktiv, nach 44,2 Prozent im Vormonat, wie das Münchner Ifo-Institut am Dienstag zu seiner Umfrage unter etwa 4000 Betrieben mitteilte.

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