Konjunktur
Miese US-Daten verheißen nichts Gutes

Das Vertrauen der US-Verbraucher in die wirtschaftliche Entwicklung hat sich im Februar stark verschlechtert und sackte auf den tiefsten Stand seit Beginn der Datenerhebung 1967. Schlechte Nachrichten auch von der US-Notenbank. Fed-Chef Ben Bernanke erwartet ein weiteres Schrumpfen der amerikanischen Wirtschaft in diesem Jahr.

HB NEW YORK. Der US-Verbraucher-Index brach auf 25,0 von revidiert 37,4 Zählern im Januar ein, wie das Forschungsinstitut Conference Board am Dienstag mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit 35,5 Punkten gerechnet.

Der Index der gegenwärtigen Lage verringerte sich auf 21,2 Zähler von 29,7 Punkten. Der Erwartungsindex gab auf 27,5 Punkte nach 42,5 Zählern im Januar nach. Die Stimmung der Verbraucher gilt als zentraler Indikator für die Konsumausgaben, die etwa zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung ausmachen.

Eine düstere Prognose kam auch von US-Notenbankchef Ben Bernanke. Er erwartet ein weiteres Schrumpfen der amerikanischen Wirtschaft in diesem Jahr. Neusten Schätzungen zufolge dürfte die Wirtschaftsleistung 2009 um 0,5 Prozent bis 1,25 Prozent sinken. Nach einem erheblichem Rückgang dürfte sich die Wirtschaft erst in der zweiten Jahreshälfte schrittweise erholen, sagte Bernanke in seinem halbjährlichen Bericht vor dem Bankenausschuss des US-Senats am Dienstag.

Ein Ende der tiefen Rezession in den Vereinigten Staaten sei aber nur möglich, wenn die Gegenmaßnahmen von Regierung und Notenbank erfolgreich sind, betonte Bernanke. Nur in diesem Fall gebe es Aussichten, dass sich die Wirtschaft im kommenden Jahr erhole. „Um die Abwärtsspirale zu brechen, ist es nötig, dass wir weiterhin Konjunkturimpulse mit starkem Regierungshandeln verbinden, um die Finanzinstitutionen und die Finanzmärkte zu stabilisieren“, sagte der Fed-Chef

Die USA haben im Kampf gegen Rezession und Finanzkrise jüngst ein knapp 800 Mrd. schweres Konjunkturprogramm auf den Weg gebracht. Zusätzlich versucht die Notenbank, mit Zinsen nahe null Prozent und massiven Liquiditätsspitzen der angeschlagenen Finanzbranche zu helfen und die Konjunktur zu stabilisieren.

Anders als in den USA hat sich die Verbraucherstimmung in Europa verbessert, was auf einen starken Rückgang der Inflation zurückzuführen ist. Im Januar legte der Konsum bei den Franzosen um 1,8 Prozent zum Dezember und zum Vorjahr zu, wie das französische Statistikinstitut Insee mitteilte. In Italien stieg der Index für das Verbrauchervertrauen im Februar unerwartet auf 104,1 Zähler von 102,6 Punkten im Vormonat, wie das Forschungsinstitut ISAE mitteilte.

In Frankreich hatten von Reuters befragte Analysten allenfalls mit einem leichten Plus bei den Konsumausgaben gerechnet. „Das bestätigt die Diagnose, dass es kein Problem mit dem Konsum in Frankreich gibt, weil wir eine starke Disinflation haben, was die Kaufkraft der Haushalte stärkt - auch wenn diese es nicht merken“, sagte Asteres-Volkswirt Nicolas Bouzou.

Für Februar trübte sich die Stimmung in Frankreich allerdings etwas ein. Das Verbrauchervertrauen ging um einen Punkt auf 43 Zähler zurück. Das habe vor allem mit einer sinkenden Zustimmung zur Regierung zu tun, sagte Societe Generale-Experte Olivier Gasnier, und sollte deswegen in Zusammenhang mit einem schlechteren sozialen Klima gesehen werden. Zuletzt kam es auf der Karibikinsel Guadeloupe zu Unruhen nach wochenlangen Demonstrationen für höhere Löhne.

In Italien hebt der Rückgang der Teuerungsraten dagegen die Stimmung der Verbraucher. Das Verbrauchervertrauen liegt dort nun wieder auf einem Niveau, das es zuletzt vor Ausbruch der Krise im Dezember 2007 gegeben hatte. Von Reuters befragte Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Rückgang auf 101,5 Punkte gerechnet.

Experten sehen den Anstieg dennoch nicht als Trendwende, da die wirtschaftlichen Aussichten wegen der Wirtschaftskrise weiter stark eingetrübt sind. „Meiner Meinung nach haben die Leute immer noch nicht begriffen, wie tief und zäh diese Krise werden wird“, sagte Unicredit-Experte Marco Valli. Das Barometer liegt zudem immer noch deutlich unter seinem langjährigen Durchschnitt von etwa 113 Punkten.

Forscher erwarten, dass die Wirtschaftsleistung in Italien 2009 um zwei Prozent schrumpfen wird. Dies wäre das konjunkturell schlechteste Jahr seit 1975 und das erste Mal seit dem zweiten Weltkrieg, dass das Bruttoinlandsprodukt in zwei aufeinanderfolgenden Jahren zurückgeht.

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