Konjunktur
Mieser Export belastet EU-Wirtschaft schwer

Die Wirtschaft in der Euro-Zone ist Ende 2008 noch etwas stärker eingebrochen als bislang angenommen. Hauptgrund für die Misere ist der schwache Export. Vor diesem Hintergrund forderte der ehemalige EZB-Chefvolkswirt Issing, die Notenbanken müssten mehr tun im Kampf gegen die Krise.

HB BRÜSSEL/BERLIN. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank von Oktober bis Dezember um 1,6 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, wie die Statistikbehörde Eurostat am Dienstag mitteilte. Zunächst war für das vierte Quartal ein Minus von 1,5 Prozent ermittelt worden - schon das wäre der mit Abstand stärkste Einbruch in der Geschichte der Währungsunion gewesen.

Hauptgrund für die Misere ist der schwache Export. Die Ausfuhren schrumpften um 6,7 Prozent. Die Verbraucher schränkten ihre privaten Konsumausgaben um 0,3 Prozent ein.

Die Wirtschaftsleistung in der Euro-Zone sinkt seit Frühjahr 2008 beständig. Die Europäische Zentralbank (EZB) senkte deshalb ihren Leitzins auf das Rekordtief von 1,25 Prozent. Sie will mit billigem Geld Investitionen und Konsum anregen.

„Wenn die Krise da ist, müssen die Notenbanken die Schleusen öffnen“, forderte in diesem Zusammenhang Otmar Issing, Berater von Bundeskanzlerin Merkel in Finanzmarktfragen und ehemaliger Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB) bei "Zeit-Online". Auch der Staat müsse im Kampf gegen die Rezession Geld ausgeben.

Um eine Inflation zu verhindern, sei es jedoch „wichtig, das Geld rechtzeitig wieder einzusammeln, wenn die Konjunktur anzieht“, sagte Issing mit Blick auf die Notenbanken. „Wenn man ein Feuer löscht, muss man aufpassen, dass der Wasserschaden am Ende nicht größer ist als der Schaden, den der Brand angerichtet hat.“ Derzeit kaufen viele Zentralbanken Staatsanleihen und andere Wertpapiere auf, um die Wirtschaft mit Geld zu versorgen. Diese Politik könne eine Gefahr für ihre Unabhängigkeit bergen, sagte Issing.

Aus seiner Sicht birgt die Krise eine zentrale Lehre für die Notenbanken: „Es ist gefährlich, sich nur und ausschließlich auf die Inflationsraten zu konzentrieren und die Vermögenswerte aus den Augen zu lassen.“ Blasen an den Vermögensmärkten dürften nicht ignoriert werden.

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