Konjunktur
OECD malt rosiges Konjunkturbild für 2010

Die Weltwirtschaft wird nach Einschätzung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung im kommenden Jahr fast doppelt so schnell wachsen wie bislang angenommen. Deutschland prophezeit die OECD dagegen ein Mini-Wachstum und eine stark steigende Arbeitslosigkeit.

HB BERLIN. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hob am Mittwoch ihre Prognose für die Weltwirtschaft von 1,25 auf 2,3 Prozent an. Die weltweit aufgelegten Konjunkturprogramme, der leicht anziehende Welthandel und günstige Finanzierungsbedingungen dürften für eine „bescheidene Erholung“ sorgen. Für dieses Jahr erwartet die Organisation einen Rückgang der globalen Wirtschaftsleistung von 2,2 Prozent. Im März wurden noch minus 2,75 Prozent vorhergesagt.

Ungeachtet der leicht verbesserten Konjunkturaussichten befürchtet die OECD einen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit. „Die Rezession hat bereits zu einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit geführt“, sagte der Leiter der OECD-Wirtschaftsabteilung, Jorgen Elmeskov. „Und diese Zunahme wird sich weiter fortsetzen, bis die Erholung kräftig genug ist, um den Trend umzukehren.“

Von den sieben größten Industrieländern (G7) werden die USA im kommenden Jahr die besten Wachstumschancen eingeräumt. Die weltgrößte Volkswirtschaft werde um 0,9 Prozent wachsen, hieß es. Bislang hatte die OECD mit Stagnation gerechnet. Auch werde die Rezession in dem Land, in dem die weltweite Finanzkrise ihren Ausgang nahm, in diesem Jahr milder ausfallen aus zunächst gedacht. Die Wirtschaft werden um 2,8 (alte Prognose: 4,0) Prozent schrumpfen.

Deutschland muss sich der OECD zufolge 2010 auf ein Mini-Wachstum und eine stark steigende Arbeitslosigkeit einstellen. Die Wirtschaftsleistung werde nach einem Konjunktureinbruch von 6,1 Prozent in diesem Jahr nur um 0,3 Prozent zulegen, sagte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Mittwoch voraus. Die Gruppe von 30 Industriestaaten ist damit etwas pessimistischer als die Bundesregierung, die von einem Wachstum von 0,5 Prozent ausgeht.

Die deutschen Firmen werden nach Ansicht der OECD bei einem düsteren Geschäftsumfeld künftig nicht mehr so oft auf Kurzarbeit setzen und verstärkt zu Entlassungen übergehen. Die Arbeitslosenquote werde bis Ende 2010 auf nahezu zwölf Prozent klettern, warnte die Organisation. „Für die Politik besteht die größte Herausforderung darin, zu verhindern, dass die steigende Arbeitslosigkeit in strukturelle Arbeitslosigkeit mündet“, mahnte die OECD.

Die Bundesregierung solle konkret über weitere Maßnahmen zur Begrenzung der Langzeitarbeitslosigkeit nachdenken. Auch die Experten der Bundesagentur für Arbeit (BA) rechnen ab Herbst mit einem kräftigen Anstieg der Arbeitslosigkeit, so dass am Ende des Jahres die Marke von vier Mio. überschritten werden dürfte. Im Mai waren 3,46 Mio. Menschen arbeitslos gemeldet.

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