Konjunktur
OECD: Rosige Aussicht für deutsche Konjunktur

Die OECD schätzt nach dem überraschend frühen Ende der Rezession die Aussichten für die deutsche Konjunktur deutlich optimistischer ein. Auch in der Euro-Zone dürfte die Wirtschaftsleistung nicht so stark einbrechen wie bislang befürchtet, teilten die Experten mit.
  • 0

HB PARIS/BERLIN. Die Wirtschaftsleistung werde wohl 2009 lediglich um 4,8 Prozent schrumpfen, teilte die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Donnerstag in Paris mit. Noch im Juni hatten die Experten ein Minus von 6,1 Prozent vorhergesagt. Vor allem im dritten Quartal werde die Konjunktur deutlich an Fahrt gewinnen, sagte OECD-Chefvolkswirt Jorgen Elmeskov.

Auch in der Euro-Zone dürfte die Wirtschaftsleistung nicht so stark einbrechen wie bislang befürchtet, teilten die Experten weiter mit. Weiter eingetrübt haben sich dagegen die Aussichten für Großbritannien.

Allerdings sei trotz des frühen Endes der Rezession vorerst nicht mit einer raschen Erholung zu rechnen, sagte Elmeskov. Die Krise habe den wichtigsten Industriestaaten zu sehr zugesetzt: Überkapazitäten, eine geringe Profitabilität, die steigende Arbeitslosigkeit, kaum wachsende Arbeitseinkommen und die Krisen am Immobilienmarkt in einigen Ländern dürften den privaten Verbrauch belasten. Zudem müssten Verbraucher, Unternehmen, Banken und Regierungen ihre Schulden abbauen, die sie im Zuge der Krise angehäuft hätten. „Das heißt, dass kurzfristig eine starke politische Unterstützung der Wirtschaft nötig ist“, sagte Elmeskov. Die Notenbanken sollten mindestens bis 2010 mit Zinserhöhungen warten, in einigen Ländern sogar noch länger.

Als Zugpferd der Konjunktur sieht die OECD derzeit China. Dort sei die Wirtschaft im zweiten Quartal stark gewachsen, erklärte die Organisation. In den USA und Großbritannien stabilisierten sich die Immobilienmärkte und der Lagerabbau bremse die Produktion nicht mehr. Dennoch bleibe die Erholung „für einige Zeit bescheiden. Hohe Kapazitätsreserven, geringe Rentabilitätsquoten, hohe und steigende Arbeitslosigkeit, ein blutleeres Wachstum der Arbeitseinkommen und weitere Korrekturen am Häusermarkt werden jeden Anstieg der privaten Nachfrage dämpfen.“

An der Preisfront sieht die OECD derzeit keine Gefahr. „Das Risiko einer nachhaltigen Deflation erscheint außerhalb Japans gering“, heißt es. Die Notenbanken sollten aber weiter die Zinsen niedrig halten und dem Markt klar ihre Absichten deutlich machen. Die Staaten müssten angekündigte Steuersenkungen schnell umsetzen. Doch die leichte Erholung „veringert die Wahrscheinlichkeit, dass weitere Steueranreize in den Ländern nötig werden, die auf diese Maßnahmen zurückgegriffen haben“. Außerdem müsse man „glaubwürdige Strategien zum Ausstieg“ aus den Steuerhilfen entwickeln.

Die Regierungen sollten zudem bereits beschlossene Konjunkturpakete zügig umsetzen. Weitere Programme seien jedoch wegen der frühen Erholung in den Ländern, die noch finanziellen Spielraum hätten, nicht nötig, sagte Elmeskov. Auf längere Sicht müssten sich die OECD-Mitgliedsstaaten bereits jetzt darauf vorbereiten, ihre Konjunkturstützen zurückzufahren. „Die Vorbereitung glaubwürdiger Exit-Strategien von Notenbanken und Sparpläne der Regierungen sind wünschenswert, auch wenn eine Umsetzung der Pläne erst später ratsam ist."

Kommentare zu " Konjunktur: OECD: Rosige Aussicht für deutsche Konjunktur"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%