Konjunktur
OECD sieht Deutschland vor Jobmarkt-Einbruch

Die Wirtschaftslage in Deutschland wird sich wegen des drastischen Rückgangs der Exporte voraussichtlich weiter verschlechtern. Zu diesem Ergebnis kommt die OECD in einem zum G20-Weltfinanzgipfel in London vorgelegten Sonderbericht. Für 2009 geht die Organisation jetzt von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 5,3 Prozent aus.

HB PARIS. „Die deutsche Wirtschaft wird mit am stärksten betroffen sein vom Einbruch des Welthandels“, sagte OECD-Chefvolkswirt Klaus Schmidt-Hebbel. Die Organisation rät der Bundesregierung deshalb zu einem weiteren milliardenschweren Konjunkturprogramm.

Erst 2010 soll den Projektionen zufolge eine sehr schwache Erholung mit einem Wachstum um 0,2 Prozent einsetzten. Zuletzt hatte die OECD für 2009 ein Schrumpfen der Wirtschaft um rund 0,8 Prozent vorhergesagt. „Der Zusammenbruch des Welthandels zieht das Wachstum in Deutschland besonders stark in Mitleidenschaft“, sagte Hebbel. Bereits jetzt zeige der Arbeitsmarkt erste Schwächetendenzen. Die Anträge auf konjunkturelles Kurzarbeitergeld bei den Agenturen für Arbeit hätten drastisch zugenommen.

"Die Arbeitslosigkeit wird 2009 wahrscheinlich drastisch und 2010 weiter anziehen", heißt es demnach in dem Wirtschaftsausblick. "Unserer Prognose zufolge wird die Arbeitslosenquote auf 11,5 Prozent im Jahr 2010 stiegen und damit die Marke von fünf Millionen Arbeitslosen übertreffen", sagte Schmidt-Hebbel. Der Zusammenbruch des Welthandels ziehe das Wachstum in Deutschland besonders stark in Mitleidenschaft.

Von der Bundesregierung fordert die OECD, mehr für die Stärkung des Arbeitsmarktes zu tun. Deutschland gehöre zu den Länder mit dem größten fiskalpolitischen Spielraum, sagte Hebbel. Unter anderem könnten die Kapazitäten der Jobcenter ausgeweitet werden. Einkommensersatzleistungen sollten stärker an den Nachweis gekoppelt werden, dass Arbeitslose auch wirklich einen neuen Job suchen. Keinesfalls sollten die Fehler der 70er Jahre wiederholt werden, sagte Hebbel. Maßnahmen wie die Frühverrentung sei keine Alternative.

Auch die neuesten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) zeigen, dass die Wirtschaftskrise den Arbeitsmarkt im März voll erfasst hat. Die übliche Frühjahrsbelebung blieb aus. Stattdessen stieg die Zahl der Arbeitslosen erstmals in einem März seit Beginn der statistischen Aufzeichnungen im Jahr 1928. Laut BA gab es insgesamt 3,586 Millionen Arbeitslose. Dies waren 34.000 mehr als im Februar und 78 000 mehr als vor einem Jahr. Damit stieg die Arbeitslosenzahl erstmals seit Dezember 2005 auch wieder im Vorjahresvergleich. BA-Chef Frank-Jürgen Weise nannte eine Zunahme auf vier Millionen Erwerbslose im Jahresverlauf möglich (mehr...).

Für die Eurozone rechnet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im Jahr 2009 mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 4,1 Prozent. Die USA müssen mit einem Einbruch von 4,0 Prozent rechnen. Japans Wirtschaft könnte laut OECD um 6,6 Prozent abstürzen (mehr...). „Der Konjunktureinbruch ist noch viel intensiver als wir ihn im November vorausgesehen haben“, räumte Hebbel ein. „Die Weltwirtschaft befindet sich heute inmitten der tiefgreifendsten Rezession, die wir zu unseren Lebzeiten gesehen haben.“ Alle 30 OECD-Mitgliedstaaten seien betroffen. Dies sei eine noch nie dagewesene Entwicklung in der Nachkriegszeit. Der Welthandel werde 2009 vermutlich um 13 Prozent schrumpfen.

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