Konjunktur: Ökonomen sehen EZB weiter unter Zugzwang

Konjunktur
Ökonomen sehen EZB weiter unter Zugzwang

Der von der Europäischen Zentralbank (EZB) vorgenommenen Leitzinssenkung um 50 Basispunkte wird nach Ansicht von Ökonomen wohl schon bald der nächste Zinsschritt folgen. Angesichts des scharfen Abschwungs bleibt den Notbankern keine andere Wahl, meinen sie.

HB FRANKFURT/BERLIN/MAILAND. Jürgen Michels, der Europa-Chefvolkswirt der Citigroup will nicht einmal eine Zinssenkung schon im Februar ausschließen. "Es ist gut möglich, dass die Inflationsrate und die Konjunkturindikatoren in den nächsten drei Wochen so weit fallen, dass dieser Schritt unumgänglich wird", sagte er. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Leitzins bis unter ein Prozent sinkt, sei gestiegen.

Die UniCredit geht davon aus, dass die EZB ihren Leitzins bis zu Jahresmitte bis auf 1,0 Prozent reduzieren wird. Der nächste Schritt werde im März kommen, schrieb Aurelio Maccario, Chefvolkswirt Eurozone, in einer am Donnerstag vorgelegten Studie. Die dann vorliegenden Projektionen sollten eine weitere Zinssenkung rechtfertigen. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass die EZB auf Abwärtsrisiken für die Inflation hinweise.

Ähnlich äußerte sich Katrin Löhken von Sal. Oppenheim. Die EZB werde ihre Wachstumsprojektionen im März „deutlich zurückschrauben“, ist sich die Konjunkturexpertin sicher. „Wir rechnen deshalb im März mit einer weiteren Zinssenkung auf dann 1,5 Prozent“, sagte sie. Das Ende der Fahnenstange sei wegen der deutlich wegbrechenden Konjunktur damit wohl aber noch nicht erreicht, betonte Löhken. „Allerdings erwarten wir nicht, dass sich die EZB vorab auf weitere Zinssenkungen festlegt, sondern sich an den aktuellen Konjunkturdaten orientieren wird.“

Die EZB hatte zuvor ihren Leitzins am Donnerstag wie erwartet von 2,5 auf 2,0 Prozent zurückgenommen. EZB-Chef Trichet begründete dies mit der gesunkenen Inflation und den schlechteren Aussichten für die Wirtschaft. Damit steht der Leitzins auf dem tiefsten Stand seit 2005.

Trichet will nun im Februar offenbar eine Zinsschritt-Pause einlegen. „Wir gehen davon aus, dass das nächste wichtige Treffen für die Geldpolitik unsere März-Sitzung sein wird, wenn wir wesentliche Elemente neuer Informationen haben werden“, sagte der EZB-Präsident. „Wenn man berücksichtigt, dass unser Februar-Treffen schon in drei Wochen stattfindet, dann gehen wir nicht davon aus, dass das eine wichtige Zusammenkunft sein wird, um Entscheidungen zu treffen.“

Seit Oktober reduzierte die EZB nunmehr den Zinssatz, zu dem sich die Geschäftsbanken bei ihr mit frischem Geld versorgen können, um insgesamt 225 Basispunkte. Geld und Kredite werden damit für Unternehmen und Haushalte billiger. Im Dezember hatten Trichet & Co. den Leitzins um einen dreiviertel Prozentpunkt gekappt - so stark wie nie in der gut zehnjährigen Geschichte der europäischen Währungsunion. Der Leitzins ist nun wieder auf dem historisch niedrigen Niveau der Jahre 2003 bis 2005, aber immer noch weitaus höher als beispielsweise in den USA oder Japan, wo die Zinsen bei oder nahe Null liegen.

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