Konjunktur
Ökonomen sehen Wirtschaft vor dem Kollaps

Die Perspektiven für die deutsche Wirtschaft trüben sich rapide ein: Mit dem neuerlichen Einbruch der Auftragseingänge in der deutschen Industrie rechnen Ökonomen für das kommende Jahr mit der schwersten Rezession seit dem zweiten Weltkrieg. Die Bundesbank erwartet einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,8 Prozent.

dne/HB FRANKFURT/DÜSSELDORF. Die Notenbankexperten rechnen vor diesem Hintergrund mit einem so starken Wirtschaftseinbruch wie zum Ende des Booms nach der Wiedervereinigung Anfang der 90er Jahre. Da sich die Aussichten für die deutsche Wirtschaft wegen Finanzkrise und Rezession seit Herbstbeginn "markant verschlechtert" hätten, sei erst für 2010 damit zu rechnen, dass die Konjunktur wieder anzieht.

Preis- und kalenderbereinigt erwartet die Bundesbank nun 2009 einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,8 Prozent. Dies wäre das schlechteste Ergebnis seit dem Rezessionsjahr 1993. Davor war die Wirtschaft nur einmal in der Geschichte der Bundesrepublik noch stärker rückläufig, und zwar nach der Ölkrise im Jahr 1975 mit einem Minus von 0,9 Prozent. Noch im Juni war die Bank von einem moderaten Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent ausgegangen. 2010 rechnen die Notenbanker mit einem BIP-Wachstum von 1,2 Prozent. Bundesbank-Chef Axel Weber erwartet, dass Deutschland dann von einer leichten Belebung der Weltwirtschaft profitieren kann.

Bereits in diesem Jahr schlägt die Krise trotz eines guten Jahresauftakts durch: Die Bundesbankexperten senkten ihre Wachstumsprognose von 2,3 auf 1,6 Prozent. Besonders tief in die Rezession schlittern wird die deutsche Wirtschaft nach Ansicht der Bundesbank in den kommenden Monaten. "Im Winterhalbjahr 2008/2009 ist mit einem erheblichen Rückgang der realwirtschaftlichen Aktivität zu rechnen." Das vierte Quartal werde miserabel ausfallen. Der Arbeitsmarkt wird auf die Wirtschaftsschwäche mit Verzögerung reagieren, einen harten Rückschlag erwartet die Bundesbank aber nicht.

Als großes Sorgendkind erweist sich einmal mehr die Industrie. Die Aufträge brachen im Oktober überraschend um 6,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat ein, wie das Wirtschaftsministerium am Freitag mitteilte. Stärkere Einbußen gab es seit der Wiedervereinigung nur im Vormonat September mit 8,3 Prozent und im Juli 2007 mit 6,4 Prozent. "Die Situation ist schlimm", sagte der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, der Nachrichtenagentur Reuters. Der Industrie drohe eine Durststrecke, die wohl erst in der zweiten Jahreshälfte 2009 enden werde.

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