Konjunktur-Prognose
Österreichs Wirtschaft kommt wieder in Fahrt

Mit vorsichtigem Konjunktur-Optimismus geht Österreich in das neue Jahr. Die Nationalbank (ÖNB) erwartet, dass die Volkswirtschaft des Landes 2010 voraussichtlich mit 1,2 Prozent wachsen wird. Ganz ohne Schwierigkeiten wird die Wende zum Guten allerdings nicht vonstatten gehen, prophezeit die ÖNB.
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WIEN. „Wir profitieren von der Belebung der Exportmärkte", sagte Nationalbank-Chef Ewald Nowotny in Wien. Zur Jahresmitte waren die Volkswirte der ÖNB noch von einer deutlich negativeren Entwicklung ausgegangen und hatten für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2010 ein Minus von 0,4 Prozent prognostiziert. Wie in Deutschland fällt der Absturz in diesem Jahr auch in Österreich etwas schwächer aus als erwartet. Die ÖNB hat für 2009 jetzt ein BIP-Minus von 3,5 Prozent ausgerechnet, im Sommer waren es noch minus 4,2 Prozent. Österreich profitiert von der etwas besseren Entwicklung in der Bundesrepublik und von der Nachfrage aus Asien.

Gleichwohl warnte die Wiener Nationalbank vor zu viel Optimismus. „Es wird nur ein verhaltener Aufschwung sein", sagte ÖNB-Gouverneur Nowotny. Auch die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute des Landes glauben, dass auf Österreich im neuen Jahr weitere wirtschaftliche und konjunkturelle Herausforderungen warten. „Neue Rückschläge können wir uns nicht erlauben", betonte Karl Aiginger, Chef des Wiener Wifo-Instituts. Ökonomen orten vor allem noch im Bankensystem der Alpenrepublik Probleme: Einige Institute seien weiterhin nicht ausreichend mit Eigenkapital ausgestattet und könnten deshalb die Kreditversorgung bei einer konjunkturellen Aufwärtsbewegung nicht garantieren.

Die Krise hat die verschiedenen Sektoren der österreichischen Volkswirtschaft in diesem Jahr extrem unterschiedlich getroffen. Bei Stahl ist die Produktion im Jahresdurchschnitt etwa um 27 Prozent eingebrochen, im Fahrzeugbau waren es minus 21 Prozent und im Maschinenbau minus 20 Prozent. Vergleichsweise gut davongekommen ist die Elektrobranche mit einem Rückgang von zehn Prozent. Die Volkswirte der Bank Austria, Österreichs größter Geschäftsbank, rechnen damit, dass 2010 lediglich der Maschinenbau eine erkennbare Belebung erwarten kann. Die Bauwirtschaft hingegen müsse sich auch im neuen Jahr auf einen Rückgang einstellen.

Der große Unsicherheitsfaktor im neuen Jahr wird auch in Österreich die Beschäftigungsentwicklung sein. Wie in Deutschland ist die Arbeitslosigkeit trotz des massiven wirtschaftlichen Einbruchs in vergleichsweise geringem Umfang gestiegen: binnen Jahresfrist von 3,8 auf 5,5 Prozent. Österreichs Unternehmen haben stark von der Kurzarbeit Gebrauch gemacht und außerdem kräftig Überstunden abgebaut, umso viele Arbeitnehmer wie möglich zu halten.

„Die Krise wird den Arbeitsmarkt noch länger prägen", sagt ÖNB-Chefvolkswirt Peter Mooslechner. Im Jahr 2010 sei wegen des niedrigen Wirtschaftswachstums mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosenzahlen zu rechnen. Österreichs Nationalbank erwartet, dass die Zahl der Erwerbstätigen erst im Jahr 2011 wieder zunehmen wird. Die staatlichen Konjunkturprogramme und Steuersenkungen hätten auch im Krisenjahr dazu geführt, dass der Konsum trotz der steigenden Arbeitslosenzahlen zu einem „stabilisierenden Faktor" der Volkswirtschaft geworden sei. Die ÖNB vermutet, dass die Realeinkommen auch in den nächsten beiden Jahren leicht steigen werden und deshalb auch der Konsum nicht einbricht.

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