Konjunktur-Prognose zweites Halbjahr
Regierung lehnt sich aus dem Fenster

Immer mehr Stimmen warnen vor negativen Auswirkungen der Finanzkrise auf die Konjunktur. Dagegen gibt sich die deutsche Regierung optimistisch. Nach der leichten Wachstumsschwäche der Wirtschaft im zweiten Quartal rechnet sie für den Rest des Jahres wieder mit neuem Schwung. Gleichzeitig wird eine andere Hoffnung gedämpft.

HB BERLIN. Der Aufschwung hat im zweiten Quartal mit einem Wachstumsplus von 0,3 Prozent an Schwung verloren. Bundesregierung und Ökonomen rechnen aber für 2007 weiter mit einem Wachstum von rund 2,6 Prozent. „Im zweiten Halbjahr dürfte sich der Aufschwung (...) wieder verstärken, unterstützt auch durch den privaten Konsum“, heißt es im Monatsbericht des Finanzministeriums.

Die deutlich aufwärts gerichteten Auftragseingänge sowie der kräftige Beschäftigungszuwachs sprächen dafür, dass in den nächsten Monaten neben weiter kräftigen Impulsen aus dem Ausland sowie von Investitionen auch die privaten Konsumausgaben zulegen. „Damit dürfte die Abschwächung des Wirtschaftswachstums auf das zweite Quartal beschränkt bleiben.“

Der Außenhandel ist laut Finanzministerium wieder zum Motor des Wirtschaftswachstums geworden, nachdem er im ersten Vierteljahr an Zugkraft verloren habe. „Die Exporte dürften auch in den nächsten Monaten ein wesentliches Standbein für die deutsche Wirtschaft bleiben.“

Die Konjunkturindikatoren deuteten zudem auf einen leichten Anstieg des privaten Konsums im zweiten Quartal hin. Der deutliche Rückgang in den ersten drei Monaten des Jahres dürfte dennoch noch nicht kompensiert worden sein. Der Aufschwung am Arbeitsmarkt werde zusammen mit höheren Tariflohnabschlüssen und steigenden verfügbaren Einkommen den privaten Konsum im weiteren Verlauf des Jahres antreiben.

Die Krise an den Finanzmärkten hatte viele Experten dazu veranlasst, vor einer Eintrübung der Konjunktur zu warnen. Unter anderem sanken die ZEW-Konjunkturerwartungen im August überraschend stark um 17,3 Punkte. Finanzmarktexperten sehen Gefahren, die von der Krise für die wirtschaftliche Entwicklung in den USA ausgehen und auch auf Deutschland übergreifen könnten, hieß es gestern nach Veröffentlichung der Daten.

Positive Effekte durch die Finanzmarktkrise

Doch nach Ansicht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) könnte die Krise sogar positive Effekte haben. „Wenn die Anleger zunehmend von Aktien auf sichere Zinspapiere umschichten, dann sinken die Zinsen von Anleihen - und das verringert die Finanzierungskosten für solvente Kreditnehmer“, sagte der DIW-Konjunkturexperte Alfred Steinherr der „Berliner Zeitung“. Die Gefahr, dass die Konjunktur leide, sei relativ gering: „Solange es in den USA nicht zu einem gravierenden Einbruch kommt, wird die US-Hypothekenkrise bei uns nicht negativ durchschlagen.“

Ähnlich beurteilte der Konjunkturchef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Joachim Scheide, die Situation: „Man sollte die Lage nicht überdramatisieren.

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