Konjunktur
Rezession trifft deutsche Dienstleister hart

Die Dienstleister in Deutschland geraten immer stärker in den Strudel der Rezession. Ihre Geschäfte schrumpften zum Jahresauftakt noch deutlicher als im Dezember, wie die Marktforscher von Markit am Mittwoch mitteilten. Etwas weniger schlecht lief es für die Firmen der Branche vor allem in Frankreich und Italien.

HB BERLIN. Erneut sammelten die Firmen weniger neue Aufträge ein; die Durststrecke ist inzwischen so lang wie seit sechs Jahren nicht mehr. In der Euro-Zone versuchten die Firmen, ihr lahmendes Geschäft mit kräftigen Preissenkungen wieder in Schwung zu bringen. Der Absturz verlor hier etwas an Tempo.

Der Einkaufsmanagerindex für Deutschland sank im Januar um 1,4 Punkte auf 45,2 Zähler und damit noch etwas stärker als in einer ersten Schätzung angenommen. In der Euro-Zone fiel das Barometer mit 42,2 (Erstschätzung: 42,5) Punkten fast so schlecht aus wie im Dezember, als mit 42,1 Zählern ein Rekordtief erreicht wurde. Für den Euro-Raum insgesamt zeichne sich eine Bodenbildung ab, sagte Postbank-Experte Thilo Heidrich. Allerdings dürfe man das Niveau des Barometers nicht außer Acht lassen, das immer noch eine tiefe Rezession anzeige. Erst ab Werten von 50 Punkten signalisiert der viel beachtete Indikator ein Wachstum.

Etwas weniger schlecht lief es für die Firmen der Branche vor allem in Frankreich und Italien, wo der Index wieder etwas stieg. Schlusslicht unter den größeren Euro-Staaten war aber erneut Spanien. Hier lag der Einkaufsmanagerindex auf dem zweittiefsten Stand seit Umfragebeginn. Im Januar verloren knapp 200 000 Menschen in Spanien ihren Arbeitsplatz - so viele binnen eines Monats wie nie zuvor.

Günstigere Preise sollten nun die Kunden wieder zurückholen. Die Preise in der Euro-Zone fielen im Januar so stark wie noch nie seit Beginn der monatlichen Umfrage unter 2000 Einkaufsmanagern im Juli 1998. „Weil die Nachfrage von Privat- und Geschäftskunden nach Dienstleistungen weiter sinkt, hält eine steigende Zahl von Firmen mit Preissenkungen dagegen“, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Zugute kam ihnen dabei der Rückgang der Kosten, vor allem wegen der deutlich billigeren Energie.

Den Abwärtstrend bei den Neuaufträgen konnte das aber nicht stoppen. Die Talfahrt hält nunmehr seit acht Monaten an, der jüngste Rückgang ist der zweitstärkste seit Umfragebeginn. Wegen der Rezession würden viele Kunden sparen, hieß es. Viele Firmen bauten deswegen Arbeitsplätze ab.

Auch für die Zukunft erwarten die befragten Firmen keine Besserung, sondern stellen sich auf weiter rückläufige Geschäfte ein. Allerdings war der Pessimismus in Deutschland nicht mehr ganz so groß wie noch zum Jahresende 2008, als zeitweise fast die Hälfte der Firmen ein schrumpfendes Geschäft vorhergesagt hatten - derzeit ist es gut ein Drittel. „Verbreitet wurden die Talfahrt der Weltwirtschaft, die anhaltende Finanzmarktkrise und die ausbleibenden Neuaufträge für die insgesamt miserable Stimmung verantwortlich gemacht“, schrieben die Markit-Experten.

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