Konjunktur
Rückschlag für deutsche Exporteure

Die deutschen Exporteure haben im August einen unerwarteten Rückschlag erlitten. Sie setzten 1,8 Prozent weniger im Ausland um als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Experten sprachen von einer „verschmerzbaren Enttäuschung“.
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HB BERLIN. Das war das erste Minus nach zuvor drei Anstiegen in Folge. Von Reuters befragte Experten hatten mit einem mit einem kalender- und saisonbereinigten Plus von 1,7 Prozent gerechnet. Im Juli hatte es einen Anstieg von 1,7 Prozent gegeben, im Juni sogar von 6,4 Prozent.

Wie stark der Exportweltmeister noch immer unter den Folgen der globalen Rezession leidet, zeigt auch der Vergleich mit dem Vorjahresergebnis. Insgesamt wurden Waren im Wert von 60,4 Mrd. Euro ausgeführt - das waren 20,0 Prozent weniger als im August 2008. In den ersten acht Monaten setzten die Unternehmen sogar 22,3 Prozent weniger im Ausland um als ein Jahr zuvor.

Der Exportverband BGA erwartet für 2009 einen Umsatzrückgang von etwa 18 Prozent. Es wäre das erste Minus seit 1993 und das größte seit Bestehen der Bundesrepublik. Für 2010 rechnet BGA-Präsident Anton Börner wieder mit einem Wachstum von fünf bis zehn Prozent. Die Einfuhren stiegen im August um 1,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Insgesamt wurden Waren im Wert von 52,2 Mrd. Euro importiert. Das waren 19,3 Prozent weniger als im August 2008.

Analysten werten die Zahlen als klare Enttäuschung. "Einen Grund dafür sollte man aber nicht lange suchen, weil die Entwicklungen von Monat zu Monat häufig volatil sind", gab aber Ralph Solveen von der Commerzbank zu bedenken. Insgesamt zeige der Trend weiter nach oben. "Wir werden im dritten Quartal ein kräftiges Plus bei den Exporten haben", ist sich Solveen sicher. Im Augenblick spreche zudem auch nichts dagegen, dass die Auslandsnachfrage auch in den kommenden Monaten "merklich" zulegen werde.

Ähnlich äußerte sich Andreas scheuerle von der Dekabank. Die Zahlen seien eine Enttäuschung, sei seien aber verschmerzbar, sagte er. "Man darf nicht vergessen, dass die vergangenen Monate ein sattes Plus gebracht haben." Im Quartal lägen die Exporte immer noch über fünf Prozent, während die Importe nicht so stark gestiegen seien. Damit habe der Außenhandel die Konjunktur im Sommer angeschoben. Dennoch komme das Minus etwas unvermittelt, fügte Ökonom Scheuerle hinzu. "Ich vermute, dass es sich um ein Verschnaufen nach den kräftigen Anstiegen in den Vormonat handelt." Rational sei es nicht zu erklären.

Auch Dirk Schumacher von Goldman Sachs sprach von einer Pause, die aber nicht der Beginn einer Stagnationsphase sei. "In den kommenden Monaten wird es wieder nach oben gehen", betonte er. Dafür spreche die positive Entwicklung der Auslandsaufträge und der Stimmungsindikatoren. "Wir rechnen für das dritte Quartal weiter mit einem Wirtschaftswachstum von etwas 1,0 Prozent", so Schumacher.

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