Konjunktur
Rürup warnt eindringlich vor Euphorie

Die Wirtschaft befindet sich im Aufschwung. Angesichts dessen hat der Chef der Wirtschaftsweisen, Bernd Rürup, nochmals vor einer Konjunktureuphorie in Deutschland gewarnt. Gleichzeitig rät er der Europäischen Zentralbank (EZB) zu Vorsicht bei weiteren Zinserhöhungen.

HB BERLIN. „Die Wirtschaft befindet sich in einem Aufschwung“, sagte Rürup der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Die positive Entwicklung sei aber nicht so dynamisch wie insbesondere von Bankvolkswirten erwartet werde. „Wie man auf eine Wachstumsrate von über zwei Prozent kommt, erschließt sich uns nicht.“ Er wäre froh, wenn die von der Regierung prognostizierten 1,6 Prozent in diesem Jahr zuträfen.

Die deutsche Wirtschaft war zum Jahresauftakt wieder gewachsen. Allerdings fiel das Konjunkturplus im ersten Quartal mit 0,4 Prozent geringer aus als erhofft. Neben dem Export sorgten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes private und unternehmerische Investitionen für Auftrieb.

Rürup erwartet, der Aufschwung reiche bis ins kommende Jahr. Die geplante Mehrwertsteuererhöhung zum 1. Januar werde zu einer Konjunkturdelle führen, die Besserung aber nicht abwürgen. Der steigende Euro-Wechselkurs sei keine Gefahr. „Ich bin mir nicht sicher, ob die jüngste Aufwertung des Euros andauern wird.“ Rürup betonte allerdings, die Wachstumsrisiken durch den Ölpreis würden unterschätzt.

„Ich sehe, wenn der Inflationsdruck nicht steigt, noch keine Notwendigkeit für einen oder gar mehrere Zinsschritte“, sagte Rürup mit Blick auf die Handlungsmöglichkeiten der EZB. Angesichts der Wirkungsverzögerungen geldpolitischer Maßnahmen seien Zweifel angebracht, „dass eine Zinserhöhung heute – vorausgesetzt der Inflationsdruck nimmt nicht zu – in die konjunkturelle Landschaft des kommenden Jahres passt“.

In der Euro-Zone baut sich nach Einschätzung von Bundesbank-Präsident Axel Weber aus mehreren Quellen Inflationsdruck auf, dem die EZB entgegentreten muss. Große Risiken für die Preisstabilität gingen vom starken Wachstum von Geldmenge und Krediten aus, das von niedrigen Zinsen gespeist werde. Dies erfordere „besondere Wachsamkeit und eingehende Beobachtung“, sagte Weber am Donnerstag in einem Vortrag in Dublin. Anders als beim Ölpreisschock in den 70er Jahren habe die Energieverteuerung noch nicht zu einem umfassenden Preisanstieg geführt. Dies könne sich jedoch ändern, da sich der Ölpreisanstieg mit der Konjunkturerholung schneller auf andere Preise niederschlagen und der bisher gedämpfte inländische Preisdruck zunehmen könnte. „Indirekte Effekte sind in der Pipeline und werden höchstwahrscheinlich eintreten.“

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