Konjunktur
Schleppende Erholung

Die britische Notenbank scheint kaum Chancen für eine rasche Erholung der Wirtschaft zu sehen. Das zeigt der vierteljährliche Inflationsbericht, den die Bank of England (BoE) gestern vorgelegt hat.
  • 0

LONDON. Analysten und Volkswirte erwarten deshalb, dass die Leitzinsen noch geraume Zeit auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent verharren werden und die Notenbank eventuell ihr Programm zur Ausweitung der Geldmenge noch einmal aufstocken wird.

Falls die Leitzinsen, wie von den Finanzmärkten erwartet, bereits im ersten Quartal 2010 wieder steigen sollten, werde die britische Inflationsrate in den kommenden zwei Jahren deutlich unter der Zielmarke der BoE von zwei Prozent bleiben, heißt es in dem Bericht der Notenbank. Hielten die Währungshüter dagegen an ihrem Zinssatz und dem Rückkaufprogramm für private und öffentliche Anleihen von 175 Mrd. Pfund fest, seien die Risiken für eine Teuerungsrate über oder unter der Zielmarke von zwei Prozent ausgeglichen. Nach Einschätzung von Ricky Redwood von Capital Economics zeigt der Inflationsbericht der Notenbanker, dass die britische Geldpolitik noch geraume Zeit sehr expansiv bleiben werde. Es gebe keine Anzeichen für Zinserhöhungen in der näheren Zukunft und auch eine weitere Ausweitung der Geldmenge durch neue Anleiherückkäufe lasse sich nicht ausschließen.

Anfang August hatte sich die BoE überraschend entschlossen, ihr Ankaufprogramm für Anleihen zum zweiten Mal aufzustocken. Die Mehrzahl der Experten hatte damals damit gerechnet, dass die Mannschaft um Notenbankgouverneur Mervyn King das Programm auslaufen lassen werde. Die Entscheidung dämpfte Hoffnungen auf eine baldige Kehrtwende der britischen Wirtschaft und setze das Pfund massiv unter Druck. In nur zwei Handelstagen verlor die Währung gegenüber dem Dollar drei Prozent. Auch gestern sackte die britische Währung ab. Grund war der verhaltene Konnjunkturausblick von Notenbankchef King: Zwar werde die britische Wirtschaft ab dem ersten Quartal 2010 wieder wachsen, innerhalb von zwei Jahren seinen sogar wieder Wachstumsraten von knapp drei Prozent möglich. Allerdings seien Zeitpunkt und Geschwindigkeit der Erholung unsicher.

King betonte, die Rezession scheine tiefer zu sein, als noch im Frühjahr angenommen. Außerdem werde die Wirtschaftskrise voraussichtlich weitere Arbeitsplätze fordern. Bereits im Juli stieg die britische Arbeitslosenquote auf 4,9 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit fast zwölf Jahren. Derzeit sind knapp 1,6 Mio Menschen auf der Insel arbeitslos gemeldet.

Wirtschaftsminister Peter Mandelson zufolge haben die staatlichen Konjunkturhilfen aber noch Schlimmeres verhindert. Durch das Eingreifen von Regierung und Notenbank seien in den vergangenen Monaten mindestens 500 000 Stellen gerettet worden.

Kommentare zu " Konjunktur: Schleppende Erholung"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%