Konjunktur
Schlüssel für Krisenende gefunden

Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise ist in den Griff zu bekommen, sofern der Fokus der Rettungsmaßnahmen auf dem Bankensystem liegt. Zu diesem Ergebnis kommen führende europäische Notenbanker. Deshalb müssten bei allen Maßnahmen der Geldpolitik die Finanzinstitute in den Mittelpunkt gestellt werden.

HB FRANKFURT/STRAßBURG/NEW YORK. Führende europäische Notenbanker haben zur Wochenmitte abermals deutlich gemacht, dass die Lösung der Bankenkrise aus ihrer Sicht die wichtigste Vorbedingung für ein Ende der Rezession ist. Deshalb müssten sich weitere Maßnahmen der Europäischen Zentralbank, die beim Leitzins nur noch wenig Spielraum hat, darauf konzentrieren, die Banken zu entlasten und damit den Kreditfluss zu Firmen und Haushalten zu fördern, erklärten Bundesbank-Präsident Axel Weber und EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark.

Stark schrieb in einem Gastbeitrag für das „Wall Street Journal“, bei unkonventionellen Maßnahmen der Geldpolitik sei es geboten die Banken in den Mittelpunkt zu stellen. Im Gegensatz zu anderen Volkswirtschaften sei in Europa das Bankensystem der alles entscheidende Faktor bei der Finanzierung von Unternehmen und bei der Übertragung der geldpolitischen Zentralbank-Impulse auf die Wirtschaft. Bundesbank-Chef Axel Weber sagte der „Financial Times“: „Das Finanzsystem der Euro-Zone ist ein Bank basiertes System, und deshalb sollte es unser Fokus sein, die Kosten für die Refinanzierungskosten der Banken weiter zu mildern.“

Weber hatte erst kürzlich vorgeschlagen, die Laufzeit der Zentralbanksgeschäfte mit den Banken auf bis zu zwölf Monate zu verdoppeln. Er steht damit im EZB-Rat nicht alleine. Dieser entscheidet das nächste Mal am 7. Mai über das Leitzinsniveau und weitere geldpolitische Maßnahmen. Der Leitzins liegt seit Anfang April nur noch bei für die EZB historisch niedrigen 1,25 Prozent, aber immer noch höher als etwa in den USA oder Großbritannien. Im EZB-Rat ist deshalb ein Streit entbrannt, wie weit der Schlüsselzins noch sinken darf. Weber und Stark gehören zu der Fraktion, die bei einem Niveau von einem Prozent eine Untergrenze erreicht sehen.

EZB-Vizepräsident Lucas Papademos erklärte am Dienstagabend in Straßburg, das mittlerweile erreichte Zinsniveau sei nicht die Untergrenze. „Aber wir sind nicht so weit davon entfernt.“ Die rechte Hand von Notenbank-Präsident Jean-Claude Trichet gilt im Gegensatz zu Weber als Befürworter einer eher laxen Geldpolitik und will gegen die Krise auch unorthodoxe Maßnahmen einsetzen, wie zum Beispiel den Ankauf von Staats- und Unternehmensanleihen in großem Stil. Weber sagte der „FT“, er können mit Blick auf die zukünftige Geldpolitik der EZB zwar nichts ausschließen, der Kauf von Staatspapieren sei für ihn aber „keine wünschenswerte Option“

Seite 1:

Schlüssel für Krisenende gefunden

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%