Konjunktur
Stimmung in Japans Wirtschaft auf Zwei-Jahres-Tief

Japans Wirtschaft steht vor einer längeren Durststrecke. Die Stimmung bei Dienstleistern und Industrie ist im Keller, die japanische Notenbank gab in ihrem Monatsbericht einen pessimistischen Ausblick für die Produktion.
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TokioNiedrige Produktion, drohende Stromausfälle und ein neues beschädigtes Atomkraftwerk: Japan muss sich auf eine längere wirtschaftliche Durststrecke und weitere Reaktorprobleme einstellen. Die Stimmung unter den Dienstleistern fiel am Freitag auf ein Zwei-Jahres-Tief und war damit so schlecht wie zuletzt auf dem Höhepunkt der Finanzkrise. In der Industrie sieht es noch trüber aus. Dem Land droht nach dem schweren Erdbeben vor vier Wochen die schwerste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Zudem kämpft Japan weiter gegen einen Super-GAU in seinen Unglücksmeilern. China äußerte sich als erstes Land öffentlich besorgt über eine radioaktive Belastung und drang auf genauere Informationen.

Für Unruhe sorgte ein weiteres heftiges Beben der Stärke 7,1 am Donnerstag, bei dem im havarierten AKW Fukushima jedoch nach Betreiber-Angaben keine neuen Probleme entstanden. Dagegen wurde das AKW Onagawa beschädigt. Wegen Stromausfällen musste der Elektro-Riese Sony Corp seine Produktion unterbrechen.

Die Regierung in Tokio räumte ein, die Wirtschaft sei durch das verheerende Erdbeben und den Tsunami in eine "schlimme Lage" geraten. Die Notenbank schrieb in ihrem Monatsbericht, die Industrie-Produktion werde bis auf weiteres auf niedrigem Niveau verharren. Erst wenn die unterbrochene Zulieferer-Kette intakt sei, werde die Produktion wieder anspringen.

Konkrete Prognosen wagte die Bank of Japan noch nicht. Die Finanzmärkte warten mit Spannung auf den halbjährlichen Konjunkturausblick, den die Notenbank am 28. April veröffentlichen will. Aus deren Umfeld verlautete, dass die Währungshüter mit einer Erholung der Wirtschaft im kommenden Jahr rechnen. Doch die Krise macht sich bereits im Stadtbild Tokios bemerkbar. Weil die Nachfrage eingebrochen ist, reihen sich die Taxis in langen Schlangen auf. Die Region Tokio und die nördlich gelegenen Regionen machen dem Forschungsinstitut Nomura zufolge die Hälfte der japanischen Wirtschaftsleistung aus.

Die Regierung setzte Unternehmen und Privathaushalten wegen der Schäden an Kraftwerken und Leitungen für die Sommermonate konkrete Energiesparziele. So sollen größere Stromausfälle verhindert werden, die eine Erholung der nach den USA und China drittgrößten Volkswirtschaft der Welt verzögern könnten. Konzerne in Tokio und im Norden müssen ihren Bedarf um 25 Prozent senken, kleinere Unternehmen um 20 Prozent, wie das Handelsministerium mitteilte. Auch Haushalte sollen rund ein Fünftel ihres Verbrauchs einsparen.

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Wasser tritt aus Abklingbecken in Onagawa aus

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