Konjunktur
Stimmungsindikatoren eilen voran

Bislang deuten Stimmungsindikatoren wie der ZEW-Index darauf hin, dass die Konjunktur im kommenden Jahr an Fahrt verlieren wird. So genannte harte Daten wie die Industrieproduktion oder die Auftragseingänge des verarbeitenden Gewerbes signalisieren dagegen Wachstum. Die Lehren für den gegenwärtigen Konjunkturzyklus sind leicht gezogen.

doh DÜSSELDORF. Die Konjunktur-Skepsis an den Finanzmärkten nimmt zu. Die Finanzmarktprofis haben ihre Konjunkturerwartungen für Deutschland in den kommenden sechs Monaten unerwartet stark herunter geschraubt. Das ZEW-Konjunkturbarometer gab auf minus 22,2 von minus 5,6 Punkten nach. Auch die Experten des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) sehen den Höhepunkt des Aufschwungs bereits erreicht.

Hingegen erwarten die Fachleute des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), dass die deutsche Wirtschaft auch 2007 kräftig wächst. Die Steuererhöhungen zu Jahresbeginn 2007 werden der deutschen Wirtschaft einen Dämpfer versetzen, den Aufschwung aber nicht abwürgen, schreibt das RWI in seiner heute vorgelegten Konjunkturprognose.

„Die Finanzpolitik der Bundesregierung belastet die Wirtschaft zwar ganz klar – schließlich entzieht sie den Verbrauchern Kaufkraft“, sagte RWI-Konjunkturexperte Roland Döhrn dem Handelsblatt. Die Steuererhöhungen würden das mögliche Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr um etwa einen halben Prozentpunkt auf 1,7 Prozent drücken. Das Ende des Aufschwungs bedeute das auf Grund von zwei Gegeneffekten aber keineswegs, meint Döhrn. Zum einen würden die Unternehmen im kommenden Jahr weiter kräftig investieren. Der Investitionsaufschwung werde höchstens ein wenig an Stärke verlieren. Dass die verbesserten Abschreibungsbedingungen nur bis Ende 2007 gelten, unterstütze diesen Trend.

Zudem erwartet das RWI schlechtere Finanzierungskonditionen im kommenden Jahr – wegen des eingeschlagenen Zinssteigerungskurses. „Das dürfte erfahrungsgemäß zunächst die Investitionsbereitschaft weiter stärken“, meint der Konjunkturexperte. Schließlich wollten die Unternehmen agieren, bevor sich die Bedingungen weiter verschlechterten.

Die konjunkturelle Abschwächung 2007 könnte geringer ausfallen, wenn die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung stärker gesenkt würden als gegenwärtig geplant, betonten Ökonomen das Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) indes gestern bei den 74. Kieler Konjunkturgesprächen erneut. Die Finanzlage der Bundesagentur für Arbeit gestatte eine Senkung um einen weiteren vollen Prozentpunkt. Das Kieler Institut rechnet im kommenden Jahr nur mit einem Anstieg des BIP um ein Prozent.

Welche Prognose tatsächlich eintrete, hängt aus Sicht von RWI-Konjunkturchef Döhrn auch entscheidend vom Verlauf der zweiten Jahreshälfte 2006 ab. Er sei optimistisch und sehe einen so genannten Überhang von 1,2 Prozent im kommenden Jahr. Das heißt: Selbst wenn die deutsche Wirtschaft im kommenden Jahr in keinem Quartal wachsen würde, stiege das BIP im Gesamtjahr um 1,2 Prozent. Welche BIP-Verläufe im kommenden Jahr denkbar sind, zeigen Prognoseintervalle (siehe „Vieles ist möglich“). Einig sind sich Volkswirte mehrheitlich darin, dass sich die Konjunktur in den USA ausgeprägter als im Euro-Raum abschwächen dürfte. In den USA dürften nachgebende Preise auf dem Immobilienmarkt die Expansion belasten, schreibt das RWI. Ein Abdriften in eine Rezession sehen sie allerdings nicht.

Auch die rund 70 in Kiel versammelten Konjunkturexperten aus 16 Ländern warnten vor den Risiken, die von der wirtschaftlichen Entwicklung in den USA ausgingen. Der heiß gelaufene Immobilienmarkt könne sich stärker abkühlen als erwartet, der private Konsum folglich erheblich in Mitleidenschaft gezogen werden. Auch die Gefahren, die für die Weltkonjunktur von dem rekordhohen US-Leistungsbilanzdefizit ausgehen, wurden in Kiel thematisiert.

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