Konjunktur
Trotz Erholung brechen Stellen weg

Die deutsche Wirtschaft erholt sich zum Jahresende weiter: Sowohl Industrie als auch Dienstleister steigerten ihre Geschäfte im Dezember kräftig. Der Stellenabbau in der Industrie hat im Oktober jedoch etwas an Fahrt gewonnen: Binnen Jahresfrist fielen 4,6 Prozent der Stellen weg. Eine Anfrage der Linkspartei zeigt, dass seit 1999 in allen Branchen über eine Million Vollzeitstellen verloren gegangen sind.
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HB BERLIN/FRANKFURT. Die Erholung der deutschen Wirtschaft signalisiert der Einkaufsmanagerindex, eine Umfrage der Markit-Forscher unter etwa 1000 Firmen, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Dabei profitierten die Unternehmen von einer kräftigen Belebung der Nachfrage. In der Industrie legte der Auftragseingang sogar so stark zu wie zuletzt im August 2007. In der Folge steigerten die Firmen ihre Produktion so stark wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Der Index zeigt auch, dass der Stellenabbau an Tempo verloren hat.

Der Stellenabbau in der Industrie betraf im Jahresvergleich allerdings 240 500 Stellen, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Damit habe sich der Rückgang seit Februar kontinuierlich verschärft, sagte ein Statistiker. Derzeit sind noch gut fünf Millionen Menschen im Verarbeitenden Gewerbe tätig.

Gebremst wurde der Arbeitsplatzabbau dabei durch die Kurzarbeit: Die Zahl der Arbeitsstunden sank um 8,9 Prozent und damit deutlich stärker als die Beschäftigung. Insgesamt wurde 653 Millionen Stunden gearbeitet – 64 Millionen Stunden weniger als im Vorjahr, bei gleicher Zahl der Arbeitstage. Umgerechnet auf Vollzeitstellen entspräche das mehr als 400 000 Arbeitsplätzen.

Besonders stark war der Stellenabbau bei den Metallfirmen, wo 6,7 Prozent der Arbeitsplätze gestrichen wurden. Maschinenbauer und Kunststoffhersteller reduzierten ihre Belegschaft jeweils um 5,1 Prozent, bei Autofirmen waren es minus 4,7 Prozent. Einzig die Nahrungs- und Futtermittelhersteller stockten die Zahl ihrer Mitarbeiter im Oktober auf, und zwar um 1,4 Prozent.

Die Industrie hatte im Oktober überraschend weniger Aufträge erhalten und ihre Produktion gedrosselt. Experten sehen das als Anzeichen dafür, dass die Erholung in Deutschland holprig wird.

Der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe stieg auf 53,1 Zähler von 52,4 Punkten im November. Von Reuters befragte Analysten hatten lediglich mit einem leichten Zuwachs auf 52,6 Zähler gerechnet. Damit erreichte der Index den höchsten Stand seit Mai 2008 und notierte den dritten Monat in Folge über der Marke von 50 Punkten, die Wachstum signalisiert.

Der Dienstleister-Index stieg ebenfalls auf 53,1 Punkte von 51,4 Zählern im Vormonat, Experten hatten hier mit lediglich 51,8 Punkten gerechnet. Der Rückgang bei den Aufträgen, der die Firmen noch im November belastet hatte, verlor wieder an Tempo, der entsprechende Teilindex blieb nur knapp unter der Wachstumsschwelle. Ihre Geschäftsaussichten in den kommenden zwölf Monaten beurteilten die Firmen jedoch deutlich zurückhaltender als in den vergangenen Monaten, die Umfrageteilnehmer erwarten nur noch leichte Geschäftszuwächse. Der entsprechende Index fiel auf 52,6 Zähler von 56,3 Punkten im Vormonat.

Der Composite-Index, der Industrie und Dienstleister zusammenfasst, stieg auf 54,9 Punkte von 53,6 Zählern im November und erreichte damit den höchsten Stand seit Mai 2008. Die deutsche Wirtschaft hat im Sommer kräftig an Schwung gewonnen, die jüngsten Rückgänge bei Auftragseingang und Industrieproduktion signalisieren jedoch eine holprige Erholung. Für das Gesamtjahr erwarten Experten ein Minus von ungefähr fünf Prozent - das wäre der mit Abstand stärkste Rückgang seit Gründung der Bundesrepublik.

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