Konjunktur
Türkei erfüllt EU-Vorgaben

Die türkische Wirtschaft hat im vergangenen Jahr erneut alle Wachstumsprognosen übertroffen. Auch für 2006 zeigen die Indikatoren nach oben. An der politischen Front kündigen sich allerdings mögliche Turbulenzen an.

ISTANBUL. Das türkische Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im vierten Quartal 2005 um 9,5 Prozent. Für das Gesamtjahr ergibt sich daraus ein Wirtschaftswachstum von 7,7 Prozent. Analystenschätzungen lagen bei 6,6 Prozent, die Regierung hatte in ihrem Haushaltsentwurf ursprünglich sogar nur fünf Prozent angesetzt. Das Wirtschaftswachstum der Türkei, die noch 2001 wegen einer schweren Finanzkrise am Rand des Staatsbankrotts stand, lag damit bereits im vierten Jahr in Folge über den Erwartungen. Seit 2002 erreichte es im Schnitt jährlich über acht Prozent. Für 2006 rechnen die Ökonomen im Durchschnitt mit fünf Prozent Plus.

Beflügelt wird die türkische Konjunktur vor allem von günstigen politischen Rahmenbedingungen, nämlich der EU-Beitrittsperspektive, aber auch von innerer Stabilität und der Konsolidierung der Staatsfinanzen. Hinzu kommt, dass sich die Inflation abschwächt und die Zinsen sinken. Die Zinssenkungen sorgen für einen Boom im Bausektor und steigenden Binnenkonsum.

Ein wichtiger Faktor für das nachhaltige Wachstum der türkischen Wirtschaft sind auch die in den vergangenen Jahren erreichten Produktivitätssteigerungen. Sie addieren sich in der Industrie seit dem Krisenjahr 2001 auf durchschnittlich 38,5 Prozent. Die gesteigerte Produktivität hilft nicht zuletzt der türkischen Exportwirtschaft, die unter der starken Lira leidet: Die türkische Währung hat seit Anfang 2005 gegenüber dem Euro um fast 15 Prozent aufgewertet.

Die Inflation, im Krisenjahr 2001 noch im Jahresdurchschnitt bei 68,5 Prozent, beträgt inzwischen nur noch 8,2 Prozent. Bis Ende 2006 dürfte die Teuerungsrate nach Schätzungen der Ökonomen der Deutschen Bank auf 6,3 Prozent zurückgehen, um 2007 auf 4,5 Prozent zu fallen. Damit hätte die türkische Zentralbank Spielraum für weitere Zinssenkungen.

Beeindruckende Erfolge kann das Land bei der Sanierung der Staatsfinanzen vorweisen: Das Haushaltsdefizit, das 2004 noch bei sieben Prozent des BIP lag, ging 2005 auf 2,8 Prozent zurück. „Damit erfüllen wir bereits ein Kriterium des EU-Stabilitätspakts“, freut sich Wirtschaftsminister Ali Babacan. Nach vorläufigen Berechnungen fiel Ende 2005 die Gesamtverschuldung unter 60 Prozent des BIP und entsprach damit ebenfalls den EU-Vorgaben. Die Obergrenzen nach dem europäischen Stabilitätspakt liegen bei drei Prozent vom BIP für die staatliche Neuverschuldung und bei 60 Prozent für den Schuldenstand.

Seite 1:

Türkei erfüllt EU-Vorgaben

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%