Konjunktur & Trends
Japan wächst nach starkem erstem Halbjahr langsamer

Beobachter sind mit dem Konjunkturverlauf zufrieden und rechnen mit einem Ende der jahrelangen Deflation.

bas TOKIO. Die japanische Wirtschaft hat an Dynamik verloren. Das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt schwächte sich nach einem ausgesprochen starken ersten Halbjahr einer ersten Schätzung der Regierung zufolge im dritten Quartal deutlich auf real 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal ab. Von April bis Juni stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) noch um 0,8 Prozent. Im Jahresvergleich wuchs das BIP real um 2,9 Prozent – dieses Plus war so groß wie seit mehr als einem Jahr nicht mehr.

Ökonomen waren trotz des geringeren Wachstumstempos mit den Zahlen zufrieden . Die robuste inländische Nachfrage zeige, dass sich die Konjunktur dauerhaft erhole und die jahrelange Deflation überwunden werde. Auch die Finanzmärkte reagierten positiv: Der Nikkei-Index der 225 wichtigsten Aktien stieg auf ein Vierjahreshoch.

Trotz Deflation befindet sich Japans Wirtschaft seit einem Jahr auch nominal, also zu aktuellen Preisen gerechnet, wieder auf Wachstumskurs. Im dritten Quartal lag der nominale BIP-Zuwachs im Vergleich zum Vorquartal bei 0,2 Prozent.

Das Zauberwort, das derzeit in Japan in aller Munde ist, heißt „Normalisierung“. Damit ist die Rückkehr der japanischen Wirtschaft zum Normalzustand gemeint; nach mehr als sieben Jahren, in denen die Deflation die Wirtschaft auf den Kopf gestellt, aber auch effizienter gemacht hat.

Mikihiro Matsuoka, Ökonom der Deutschen Bank in Tokio, geht da-von aus, dass mit einer Rückkehr zur Inflation die potenzielle Wachstumsrate Japans auf zwei Prozent steigt. Für das im März beginnende Fiskaljahr 2006/2007 geht er gar von einem nominalen Wachstum von mehr als drei Prozent aus. Im dritten Quartal lag der BIP-Deflator, eine breit angelegte Kennziffer für die gesamtwirtschaftliche Teuerung, im Jahresvergleich noch bei minus 1,1 Prozent. Bis Mitte kommenden Jahres dürfte diese Kennziffer ins Positive drehen, erwartet Jesper Koll, Volkswirt bei der Investmentbank Merrill Lynch.

Für die Verbraucherpreise rechnen Ökonomen bereits für das Jahresende mit einer Umkehr. Entscheidend werde dann sein, wie schnell die Notenbank die angekündigte Normalisierung ihrer Geldpolitik beginnt. Ein zu frühes Anziehen der Zinsen gilt als ein zentrales Risiko für das Wachstum in Japan. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist die Entwicklung der US-Konjunktur.

Zuversichtlich stimmt die Ökonomen, dass die japanische Wirtschaft dank der anhaltend steigenden Inlandsnachfrage ihre Exportabhängigkeit etwas verringern kann. Denn allmählich schlägt die bessere Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt auch auf den Konsum. Der private Konsum, der 55 Prozent der japanischen Wirtschaftsleistung ausmacht, stieg im dritten Jahresviertel real um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal.

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