Konjunktur
US-Bürger kaufen wieder mehr

In den USA hat sich die Stimmung der Verbraucher in den vergangenen Wochen etwas eingetrübt, doch es gibt ein neues Hoffnungszeichnen: Die amerikanischen Einzelhändler haben im Juni mehr Umsatz erzielt als erwartet.

HB WASHINGTON. Die Einnahmen stiegen um 0,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Handelsministerium am Dienstag mitteilte. Von Reuters befragte Analysten hatten lediglich mit einem Anstieg um 0,4 Prozent gerechnet. Volkswirte sind aber uneins, ob die Daten tatsächlich schon auf eine wieder steigende Kauflaune der US-Bürger hindeuten. Die US-Aktienbörsen starteten nach Veröffentlichung der Zahlen mit Verlusten in den Handel.

Das Umsatzplus im Juni wurde zur Hälfte durch den Autohandel getragen. Klammert man die Branche aus, legte der Einzelhandelsumsatz nur um 0,3 Prozent zu. Er gilt als wichtiger Indikator für die Konjunkturentwicklung in den USA, da deren Wirtschaftsleistung zu mehr als zwei Dritteln vom privaten Konsum abhängt.

Die Ökonomen der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) sehen in den jüngsten Daten Anzeichen für ein Ende der konjunkturellen Talfahrt: In der größten Volkswirtschaft der Welt sei der "Absturz der Konsumausgaben gebremst" worden, heißt es in einer Helaba-Analyse. Mit den Daten bleibe "das Bild einer allmählichen Stabilisierung intakt".

Skeptischer sind die Volkswirte der Postbank: "Es bleibt nach wie vor bei einer gedämpften Konsumlaune in den USA." Ein deutlicher Anstieg der Benzinpreise und teurere Autos allein reichten nicht aus, um von einer Wiederbelebung des Konsums zu sprechen, heißt es in einer Analyse des Instituts. "Die jüngst gesunkenen Indizes zum Verbrauchervertrauen des Conference Board und der Uni Michigan weisen ebenfalls darauf hin, dass es um die Kauflaune der US-Bürger nicht gut bestellt ist."

Den jüngsten Anstieg der Erzeugerpreise in den USA führt die Postbank vor allem auf "Verzerrungen durch die Kapriolen des Ölpreises" zurück. Rechne man diesen Faktor heraus, gebe es "weder deutliche Anzeichen eines Inflations- noch eines Deflationsdrucks".

Die Erzeugerpreise in den USA waren im Juni überraschend deutlich gestiegen. Gegenüber dem Vormonat legten sie nach Angaben des Arbeitsministeriums in Washington um 1,8 Prozent zu. Volkswirte hatten lediglich mit einem Anstieg von 0,9 Prozent gerechnet. Im Vormonat waren die Preise auf Erzeugerebene noch um 0,2 Prozent geklettert. Auf Jahressicht sanken sie im Juni um 4,6 Prozent.

Ohne Berücksichtigung von Lebensmitteln und Energie (Kernindex) kletterten die Preise allerdings nur um 0,5 Prozent. Im Mai war der Kernindex noch um 0,1 Prozent gesunken. Gegenüber dem Vorjahresmonat stieg der Kernindex im Juni um 3,3 Prozent.

Die Erzeugerpreise beeinflussen die allgemeine Teuerung zwar nicht direkt, schlagen aber erfahrungsgemäß mit einiger Verzögerung teilweise auf die Verbraucherpreise durch.

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