Konjunktur
US-Daten: „Rezession fordert ihren Tribut“

US-Konjunkturdaten bestätigten die düsteren Aussichten für die weltgrößte Volkswirtschaft: Anträge auf Arbeitslosenhilfe befinden sich auf dem höchsten Niveau seit 1982, das amerikanische Exportgeschäft ist im Oktober erneut geschrumpft.

HB WASHINGTON. Die Lage am US-Arbeitsmarkt verschlimmert sich immer schneller. In der ersten Dezember-Woche stellten so viele Amerikaner einen Antrag auf Arbeitslosenhilfe wie seit 26 Jahren nicht mehr. Die Zahl stieg auf 573 000, wie das Handelsministerium am Donnerstag in Washington mitteilte. Noch mehr waren es zuletzt im November 1982 mit 612 000. Von Reuters befragte Volkswirte hatten lediglich mit einem Anstieg auf 525 000 gerechnet.

Experten erwarten keine schnelle Besserung. Im kommenden Jahr dürften zwei bis drei Millionen Jobs verloren gehen und die Arbeitslosenquote auf knapp neun Prozent steigen, sagte Nomura-Chefvolkswirt David Resler. "Die weltweite Rezession fordert ihren Tribut", sagte Resler. Die Zahlen belegten, wie dramatisch die Situation sei, sagte Matthew Strauss von RBC Capital: "Das Risiko einer tiefen und langen Rezession steigt".

Das amerikanische Exportgeschäft schrumfte im Oktober erneut. Die Unternehmen verkauften Waren und Dienstleistungen im Wert von 152 Milliarden Dollar in Ausland. Das seien 2,2 Prozent weniger als im Vormonat, teilte das Wirtschaftsministerium am Donnerstag in Washington mit. Im September waren die Ausfuhren sogar um 6,4 Prozent eingebrochen. Wegen sinkender Energiepreise und der schwächeren Nachfrage infolge der Rezession schrumpften auch die Importe. Sie fielen um 1,3 Prozent auf 209 Milliarden Dollar zurück.

Das Defizit in der Handelsbilanz - die Differenz zwischen Exporten und Importen - stieg überraschend deutlich auf 57 Milliarden Dollar. Der Fehlbetrag wird an den Märkten mit großer Aufmerksamkeit beobachtet. Da die USA mehr konsumieren als produzieren, muss die Lücke durch massive Kapitalzuflüsse aus dem Ausland geschlossen werden. Bleiben diese aus, droht eine Dollar-Abwertung mit entsprechenden Auswirkungen für die Weltwirtschaft.

Einzig die Importe in die USA haben sich so stark verbilligt wie seit mindestens 20 Jahren nicht, vor allem wegen des Preisrutsches beim Öl. Die Einfuhrpreise sanken von Oktober auf November überraschend deutlich um 6,7 Prozent, wie das US-Arbeitsministerium am Donnerstag mitteilte. Dies war der größte Rückgang seit Beginn der Statistik 1988. Im Vergleich zum November 2007 gab es ein Minus von 4,4 Prozent. "Die Entlastung über die Vorstufen der Verbraucherpreise setzt sich damit fort und wird in den nächsten Monaten noch anhalten", sagte Fabienne Riefer von der Postbank.

Preise für Rohöl gingen um 25,8 Prozent zurück - dies war ebenfalls der größte Rückgang in einem Monat seit 1988. Auch bei den Ausfuhrpreisen gab es einen Rekord. Die Exporte verbilligten sich um 3,2 Prozent.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%