Konjunktur
US-Jobkrise lässt Kauflaune sinken

Die amerikanischen Einzelhändler haben im März überraschend einen Umsatzrückgang erlitten. Experten führen die Kaufzurückhaltung vor allem auf die steigende Arbeitslosigkeit zurück. Der Rückgang im Einzelhandel dämpfte auch den Optimismus an der Wall Street.

HB WASHINGTON. Die US-Einzelhändler verkauften 1,1 Prozent weniger als im Vormonat, wie das Handelsministerium am Dienstag mitteilte. Im Januar und Februar hatte es noch Zuwächse von 1,9 und 0,3 Prozent gegeben. Von Reuters befragte Analysten hatten ein Plus von 0,3 Prozent erwartet. Die Amerikaner kauften vor allem weniger Haushaltsgeräte und Elektronik: Hier fiel das Minus mit 5,9 Prozent besonders hoch auch. Der Umsatz mit Autos und anderen Fahrzeugen sank mit 2,5 Prozent ebenfalls überdurchschnittlich.

Experten führen die Kaufzurückhaltung vor allem auf die steigende Arbeitslosigkeit zurück. „Die Lage am Arbeitsmarkt ist fürchterlich: Allein im ersten Quartal gingen zwei Mio. Jobs verloren“, sagte UniCredit-Ökonom Harm Bandholz. „Das geht natürlich nicht spurlos am privaten Konsum vorbei.“ Zwar habe der Verbraucher die Wirtschaft im ersten Quartal noch gestützt, doch werde sich das im Frühjahr ändern. „Die Entlassungen werden weitergehen und den Konsum dämpfen“, sagte Bandholz.

Der Einzelhandelsumsatz gilt als wichtiger Indikator für die Konjunkturentwicklung in den USA, da deren Wirtschaftsleistung zu mehr als zwei Dritteln vom privaten Konsum abhängt.

Der unerwartete Rückgang im US-Einzelhandel machte an der Wall Street den Optimismus in Folge hoher Gewinne bei Goldmann Sachs zunichte. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor kurz nach Börsenstart 1,4 Prozent auf 7947 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 lag 1,5 Prozent niedriger bei 847 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gab 1,0 Prozent nach auf 1636 Stellen. Der schwache Einzelhandelsumsatz lastete etwa auf den Titeln von Branchenprimus Wal-Mart, die knapp zwei Prozent einbüßten.

Einen Rückgang gibt es auch bei den Produzentenpreisen in den USA, die im März wegen günstiger Energie überraschend gesunken sind. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gingen die Preise ab Werkstor um 3,5 Prozent zurück und damit so stark wie seit 1950 nicht mehr, wie das US-Arbeitsministerium mitteilte. Zum Februar senkten die Hersteller von Energie, Nahrungsmitteln und anderen gewerblichen Produkten ihre Preise um 1,2 Prozent. Von Reuters befragte Analysten hatten hier mit einem unveränderten Preisniveau gerechnet.

Wie stark Energie das Preisniveau beeinflusst, zeigt der Blick auf die sogenannte Kernrate, die die Preisveränderung ohne die schwankungsanfällige Energie und Lebensmittel signalisiert: Hier gab es zum Vorjahr ein Plus von 3,8 Prozent und zum Vormonat ein unverändertes Niveau. Energie kostete im Schnitt 5,5 Prozent weniger als im Februar.

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