Konjunktur
US-Konjunktur setzt zum Höhenflug an

Überraschend positive Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten nähren die Hoffnung auf eine schnellere Erholung der Konjunktur, als bislang erwartet. So legte nicht nur das viel beachtete Barometer für die Entwicklung des Verarbeitenden Gewerbes in der Schlüsselregion New York deutlich zu, auch die Einzelhandelsumsätze schnellten in die Höhe. Der Dax reagierte mit einem Ausschlag nach oben.
  • 0

HB NEW YORK. Die Aussichten für die US-Industrie bessern sich zusehends. Der Empire-State-Manufacturing-Index ist von plus 12,08 Punkten im Vormonat auf plus 18,88 Punkte geklettert, teilte die regionale Vertretung der US-Notenbank am Dienstag in New York mit. Volkswirte hatten im Durchschnitt mit einem Anstieg auf 12,8 Punkte gerechnet. Das ist der höchste Stand seit fast zwei Jahren.

Der Empire-State-Index misst die Geschäftstätigkeit des produzierenden Gewerbes im Staat New York. Ein Indexstand unter Null deutet einen Rückgang der Aktivität an. Die Daten gelten als Frühindikator für die gesamte Industrie in den USA.

Die US-Notenbank Federal Reserve die Rezession erklärte angesichts der Daten, aus technischer Sicht sei die Rezession wahrscheinlich vorüber. Fed-Chef Ben Bernanke warnte jedoch gleichzeitig, dass die Erholung zunächst kaum spürbar sein werde. Auch im kommenden Jahr werde das Wachstum voraussichtlich moderat bleiben und die Schaffung von Arbeitsplätzen deshalb nur langsam vorankommen. Die US-Wirtschaft werde 2010 voraussichtlich nicht deutlich schneller zulegen als ihr Potenzialwachstum, erklärte Bernanke.

Die Rezession ist aus technischer Sicht vorbei, sobald die Wirtschaftsleistung im Quartalsvergleich wieder zulegt. Als Potenzialwachstum bezeichnen Volkswirte die höchste Wachstumsrate, die eine Volkswirtschaft über einen längeren Zeitraum halten kann, ohne dabei Inflationsdruck auszulösen.

Auch die amerikanischen Einzelhändler senden positive Signale für die Konjunktur. Sie haben die Unternehmen in diesem Segment ihren Umsatz dank der staatlichen Abwrackprämie im August so stark gesteigert wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr. Die Erlöse sprangen um 2,7 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Handelsministerium am Dienstag mitteilte. Das ist der größte Anstieg seit Januar 2006. Von der Agentur Reuters befragte Analysten hatten lediglich einen Anstieg um 2,0 Prozent erwartet.

Allein die Autoverkäufe schnellten um 10,6 Prozent nach oben, so stark wie seit Oktober 2001 nicht mehr. Die US-Regierung hat mit ihrem "Cash for Clunkers" (etwa "Kohle für Rostlauben")-Programm den Kauf neuer umweltfreundlicher Autos gefördert; das Programm traf auf hohe Nachfrage und lief im August aus.

Doch auch ohne Autos stiegen die Erlöse um 1,1 Prozent und damit deutlich stärker als erwartet. Das ist ein Anzeichen dafür, dass die Kauflaune bei den Verbrauchern zurückkehren könnte. Rückgänge gab es lediglich bei Möbeln und Baumaterial. Der Einzelhandelsumsatz gilt als wichtiger Indikator für die Konjunkturentwicklung in den USA, da deren Wirtschaftsleistung zu mehr als zwei Dritteln vom privaten Konsum abhängt.

Der Deutsche Aktienindex Dax tastete sich vor diesem Hintergrund an sein bisheriges Jahreshoch heran. Die US-Daten seien unter dem Strich positiv ausgefallen, begründeten Händler die freundliche Stimmung am Markt. Der Leitindex legte zuletzt um 0,49 Prozent auf 5.647,90 Punkte zu. Für den MDax ging es um 1,10 Prozent auf 7.208,89 Punkte hoch. Der Technologiewerte-Index TecDax rückte um 1,85 Prozent auf 749,44 Zähler vor.

Kommentare zu " Konjunktur: US-Konjunktur setzt zum Höhenflug an"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%