Konjunktur
US-Verbraucher trüben den Konjunkturjubel

Die US-Verbraucher zeigen sich stark verunsichert. Der Michigan Sentiment Index brach regelrecht ein. Die Amerikaner machen sich offenbar wieder verstärkt Sorgen über die Wirtschaftsentwicklung, die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes und ihr Vermögen. Ökonomen werteten die Daten als Indiz dafür, dass die Bewältigung der globalen wirtschafts- und Finanzkrise noch einige Zeit dauern wird.

HB NEW YORK. Das Vertrauen der US-Verbraucher in die wirtschaftliche Entwicklung ihres Landes hat sich im Juli kräftig eingetrübt. Der entsprechende Index der Nachrichtenagentur Reuters und der Universität Michigan fiel nach endgültigen Berechnungen vom Freitag auf 66,0 Punkte von 70,8 Zählern im Vormonat und damit auf den tiefsten Stand seit April. Volkswirte hatten mit einer Revision auf 65,0 Punkte gerechnet. Das ist nun der erste Rückgang seit Februar. Im Vormonat war der Indikator auf den höchsten Stand seit Februar geklettert.

Die US-Bürger machten sich wieder verstärkt Sorgen über die Wirtschaftsentwicklung, die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes und ihr Vermögen, hieß es.

Der von Anlegern und Volkswirten stark beachtete Index gilt als wichtiges Konjunkturbarometer, das die Stimmung und das Kaufverhalten der US-Verbraucher im Voraus anzeigt. Die Konsumausgaben machen rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung der USA aus. Seit über einem Jahr steckt die US-Wirtschaft in der Rezession, vor allem die Verbraucher haben ihre Ausgaben zuletzt kräftig zurückgefahren. Der private Konsum wird wegen der Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise derzeit besonders stark beachtet.

Spitzenökonomen in Deutschland werteten die kräftige Eintrübung des US-Verbrauchervertrauens als Indiz dafür, dass die Bewältigung der globalen wirtschafts- und Finanzkrise noch einige Zeit dauern wird. "Der erste Rückgang des Verbrauchervertrauens nach der Anstiegsserie seit Februar sollte uns daran erinnern, dass die Welt nach der Krise schwierig genug bleiben wird", sagte der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater, am Freitag im Gespräch mit Handelsblatt.com. Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, sprach bei Handelsblatt.com von enttäuschenden Daten. Die Eintrübung des Verbrauchervertrauens erinnere daran, "dass der Rezession keine kräftige Erholung, sondern lediglich eine blutleere wirtschaftliche Aufwärtsbewegung folgen dürfte", sagte er. Schließlich dürften die US-Immobilienpreise noch bis weit in das kommende Jahr hinein fallen. "Das schmälert das Vermögen der US-Konsumenten, sie werden mehr sparen müssen."

Gleichwohl vertrat Krämer die Ansicht, dass die Rezession nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA zu enden scheine. "Schließlich ist der Lehmansche Unsicherheitsschock abgeklungen und die Unternehmen holen einen Teil der unterlassenen Investitionen nach", erklärte der Ökonom.

Auch nach Einschätzung des Dekabank-Ökonomen Kater konnte der freie Fall der Konjunktur wohl inzwischen gestoppt werden. Bei aller Freude über diese Entwicklung dürfe man aber nicht den Blick für "die Herausforderungen der Nach-Krisen-Welt" verlieren, betonte er. Die Bewältigung der hohen Arbeitslosigkeit gerade in den USA gehöre dazu. Wenngleich die Vereinigten Staaten über sehr flexible Arbeitsmärkte verfügten, seien die Herausforderungen doch gewaltig, sagte Kater. "Jahrelang ist die Produktionsstruktur in der US-Wirtschaft durch eine künstlich aufgeblähte Konsumnachfrage verzerrt worden", gab der Ökonom zu bedenken und fügte hinzu: "Das gilt es zu korrigieren, und das benötigt aller Erfahrung nach einige Zeit."

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