Konjunktur
US-Wirtschaft verliert an Schwung

Das Bruttoinlandsprodukt der USA legte im zweiten Quartal nur mit einer Jahresrate von 1,3 Prozent zu. Bisher hatten Experten mit einem Plus von 1,7 Prozent gerechnet. Grund für die revidierten Daten ist eine Dürre.
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WashingtonDie US-Wirtschaft ist im zweiten Quartal wegen der starken Dürre deutlich langsamer gewachsen als bislang angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt legte von April bis Juni nur mit einer Jahresrate von 1,3 Prozent zu, teilte das Handelsministerium am Donnerstag mit. Bisher hatte das Ministerium ein Plus von 1,7 Prozent veranschlagt.

Zu Jahresbeginn war die Wirtschaftskraft noch um 2,0 Prozent gestiegen. Grund für die Revision der Daten war vor allem die stärkste Dürre seit rund einem halben Jahrhundert. Dies hatte die Investitionen in der Landwirtschaft einbrechen lassen. Schwache Auftragsdaten aus der Industrie schürten zusätzlich die Sorgen um die weitere Erholung der weltgrößten Volkswirtschaft.

Die US-Industrie zog im August wegen eines Einbruchs im Transportgeschäft deutlich weniger Aufträge an Land. Die Bestellungen langlebiger Güter fielen nach Regierungsangaben um 13,2 Prozent im Vergleich zum Vormonat und damit wesentlich stärker als mit rund fünf Prozent erwartet. Das war der größte Rückgang seit Januar 2009.

Entscheidend dafür war aber einmal mehr das schwankungsanfällige Transportgeschäft. Während der Flugzeugbauer Boeing im Juli noch 260 Bestellungen erhalten hatte, war es im August nur noch ein Auftrag. Ohne Berücksichtigung des Verkehrssektors wären die Aufträge nur um 1,6 Prozent gefallen. "Für die US-Konjunktur stellt die Industrie derzeit ein Risiko dar", sagte Postbank-Analyst Thilo Heidrich. "Dafür zeigen sich andernorts aber durchaus Verbesserungen, weshalb wir weiterhin von einer anhaltenden Konjunkturbelebung in den USA ausgehen."

Positivere Nachrichten kamen vom Arbeitsmarkt. Denn die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sank überraschend deutlich. Sie fiel in der abgelaufenen Woche um 26.000 auf 359.000, wie das Arbeitsministerium mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten im Schnitt nur mit einem Rückgang auf 378.000 gerechnet. Der schwache Arbeitsmarkt gilt als größte Hürde für ein stärkeres Wirtschaftswachstum und setzt US-Präsident Barack Obama kurz vor der Wahl im November unter Druck.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Marktwirschaft funktioniert nur dann, wenn der Staat nicht ständig eingreift, sondern wenn man "überflüssige" Unternehmen verschwinden lässt. Brauchen wir wirklich so viele Banken oder soviele Automobil Hersteller??? Überkapazitäten müssen einfach abgebaut werden.

  • Die USA haben die größten Probleme seit ihrer Geschichte vor der Brust.
    Katastrophale Staatsverschuldung, desolate Infrastruktur, sozialpolitisches Pulverfass, wenig wettbewerbsfähige Industrie, eine künstlich hochgejubelte New Economy, gestrauchelte Demokratie, usw.
    Einziger Ausweg ist nur der Export der Staatsverschuldung mit Hilfe der Leitwährung US-Dollar. Nur der blöde Euro hindert sie heute (noch) daran.

    Bitte hundert Mal lesen:
    http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/anlagestrategie/dirk-mueller-und-max-otte-das-ist-alles-nicht-mehr-kalkulierbar/6977352.html


  • New York (BoerseGo.de) - Nach Einschätzung der US-Ratingagentur Fitch stellt die US-Fiskalklippe kurzfristig das größte Risiko für die Entwicklung der Weltwirtschaft dar.
    Die mit der Fiskalklippe verbundenen Steuererhöhungen und dramatischen Kürzungen der US-Staatsausgaben könnten die US-Wirtschaft und möglicherweise auch die Weltwirtschaft in eine neue Rezession stürzen, erklärte Fitch Ratings in einer Stellungnahme, die am Donnerstag über die Nachrichtenagentur Reuters verbreitet wurde.
    Dass es dazu komme, sei aber nicht das Basisszenario, hieß es. Erwartet wird vielmehr, dass der US-Gesetzgeber rechtzeitig Maßnahmen ergreift, um die Fiskalklippe nicht Wirklichkeit werden zu lassen.

    Nach der derzeitigen Gesetzeslage werden im Fiskaljahr 2013 Steuererhöhungen und automatische Ausgabenkürzungen im US-Staatshaushalt von insgesamt 600 MRD Dollar fällig. Dies entspräche 4% der US-Wirtschaftsleistung.
    Die automatischen Ausgabenkürzungen nach dem Rasenmäher-Prinzip waren im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit der Erhöhung des US-Schuldenlimits verabschiedet worden. Sie treten in Kraft, wenn der US-Kongress nicht spezifische Ausgabenkürzungen in bestimmten Bereichen beschließt. Die Steuererhöhungen sind die Folge von auslaufenden Sonderregelungen.

    Sollte es zu den Steueranhebungen und automatischen Ausgabenkürzungen kommen, würde dies das erwartete US-Wachstum um knapp zwei Prozentpunkte reduzieren, so Fitch. Ohne Fiskalklippe erwartet Fitch für das kommende Jahr einen Anstieg der US-Wirtschaftsleistung um 2,3 Prozent. Das Wachstum der Weltwirtschaft würde sich durch die Kürzung der US-Staatsausgaben und durch das Inkrafttreten der Steuererhöhungen von 2,6 Prozent auf 1,3 Prozent halbieren, so Fitch. Ein deutlich schwächerer US-Dollar, ein scharfer Rückgang der Vermögenspreise und ein abgeschwächter Anstieg der Vermögenspreise wären ebenfalls die Folge.

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