Konjunktur
USA: Industrieproduktion fällt weniger stark

In den USA gibt es weitere Anzeichen für ein langsames Ende der Talfahrt. So ist die Industrieproduktion im Juni nicht so stark gefallen wie befürchtet. Sie ging im Vergleich zum Vormonat um 0,4 Prozent zurück.

HB WASHINGTON. Volkswirte hatten mit einem Minus von 0,6 Prozent gerechnet. Im Vormonat war die Produktion um revidierte 1,2 (zuvor: minus 1,1) Prozent gesunken. Im Jahresvergleich ergab sich allerdings im Juni ein Rückgang um 13,6 Prozent. Im gesamten zweiten Quartal sank damit die Produktion aufs Jahr hochgerechnet um 11,6 Prozent. Damit schwächte sich der Rückgang ab: Zu Jahresauftakt war die Produktion noch um 19,1 Prozent gesunken.

Die Kapazitätsauslastung der Industrie lag im Juni mit 68,0 Prozent auf einem neuen Rekordtief. Sie liegt so niedrig wie noch nie seit Beginn der Datenerhebnung 1967. Volkswirte hatten mit einer Auslastung von 67,9 Prozent gerechnet. Im Vormonat hatte die Auslastung der Industrie bei revidiert 68,2 (zuvor: 68,3) Prozent gelegen.

Der Abschwung der Industrie im wichtigen US-Bundesstaat New York hat sich im Juli allerdings unerwartet deutlich verlangsamt. Der Index für das Verarbeitende Gewerbe stieg auf minus 0,55 Punkte von minus 9,41 Zählern im Juni, wie die New Yorker Federal Reserve mitteilte. Damit erreichte das Barometer den höchsten Stand seit April 2008.

Die Daten gelten als Frühindikator für die gesamte Industrie in den USA. „Es ist zu vermuten, dass die Industrie im New Yorker Raum, die eine Spezialisierung auf Hochtechnologie aufweist, an der allmählichen Wiederbelebung des globalen Warenhandels partizipiert“, sagte Thilo Heidrich von der Postbank.

Die Verbraucherpreise in den USA ziehen leicht an. Der saisonbereinigte Index stieg im Juni um 0,7 Prozent, noch im Mai lag der Anstieg bei lediglich 0,1 Prozent, teilte das US-Arbeitsministerium am Mittwoch in Washington mit. Damit fiel der Anstieg etwas stärker aus als erwartet. Experten hatten zuvor mit 0,6 Prozent gerechnet. Aufs Jahr gerechnet gaben die Verbraucherpreise aber wegen der Rezession um 1,4 Prozent nach, so stark, wie seit 60 Jahren nicht mehr.

Das Anziehen der Preise ist nach Angaben des Ministeriums vor allem auf die Entwicklung der Benzinpreise zurückzuführen. Die Kernrate ohne die schwankungsanfälligen Energie- und Lebensmittelpreise kletterte im Juni lediglich um 0,2 Prozent. Aufs Jahr gerechnet stieg die Kerninflation um 1,7 Prozent.

Angesichts der jüngsten Preisentwicklung und der schweren Wirtschaftskrise sehen Experten in den USA derzeit keine Inflationsgefahr. Wegen der hohen Staatsverschuldung und des wachsenden Haushaltsdefizits gebe es aber langfristige Risiken.

Nach Ansicht der Postbank besteht in den USA nach wie vor keine Deflationsgefahr. Zwar sei die Gesamtjahresrate mittlerweile spürbar in den negativen Bereich gerutscht, heißt es in einer Studie vom Mittwoch mit Blick auf jüngste Preisdaten. Die Kerninflation sei dagegen noch deutlich positiv und dürfte dies auch in den kommenden Monaten bleiben. "Damit erhalten Deflationssorgen keine neue Nahrung.

Die Abwärtsdynamik der US-Industrie hat nach Einschätzung der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) trotz des neuerlichen Produktionsrückgangs im Juni nachgelassen. Insgesamt bleibe das Bild einer allmählichen Stabilisierung der amerikanischen Konjunktur erhalten, heißt es in einer Studie vom Mittwoch. Die rekordtiefe Kapazitätsauslastung spreche jedoch dafür, dass die Preisentwicklung gedämpft bleibe.

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