Konjunktur: Wachstum in der Euro-Zone wird schwächer

Konjunktur
Wachstum in der Euro-Zone wird schwächer

Die Konjunkturerholung in der Euro-Zone hat im September überraschend deutlich an Schwung verloren. Sowohl Industrie als auch Dienstleister berichteten über ein geringeres Wachstum als im Vormonat, teilte das Markit-Institut zu seiner Umfrage unter Hunderten Unternehmen mit. Analysten zeigen sich enttäuscht.
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HB LONDON/BERLIN. Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie sank nach vorläufigen Berechnungen auf 53,6 Punkte von 55,1 Zählern im August. Das ist der niedrigste Wert seit Januar. Experten hatten lediglich mit einer leichten Abkühlung gerechnet. Die Industrie bekommt dabei die langsamer steigende Nachfrage aus Übersee zu spüren. Sowohl das Produktionswachstum als auch das Plus bei den Exportaufträgen fiel magerer aus als im August. Auch der Servicesektor musste Federn lassen. Der entsprechende Einkaufsmanagerindex fiel um 2,3 auf 53,6 Punkte. Dies ist der niedrigste Wert seit Februar. Experten hatten hier ebenfalls nur mit einem leichten Rückgang gerechnet.

Obwohl das Auftragswachstum nachließ, beurteilen die Dienstleiter die Aussichten für die kommenden zwölf Monate jedoch optimistischer als im Vormonat. Das entsprechende Barometer stieg um einen Punkt auf 68,1 Zähler. Optimistischer war die Branche zuletzt im April. Der Composite-Index, der sich aus Dienstleistern und Industrie zusammensetzt, fiel auf 53,8 von 56,2 Zählern. Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson geht davon aus, dass sich das Wachstum in der Euro-Zone im Sommer-Quartal auf 0,6 Prozent abgekühlt hat. Im Frühjahr hatte die Wirtschaftsleistung noch um ein Prozent zugelegt. Williamson erwartet am Jahresende eine weitere Abschwächung: "Dann dürften wir bei rund 0,3 Prozent liegen."

Analysten zeigten sich in ersten Reaktionen enttäuscht. Klaus Schüber (SEB) sagte: "Die Ergebnisse sind schlechter als erwartet, liegen aber immer noch auf einem relativ hohen Niveau. Man darf nicht vergessen, dass wir zuletzt eine sehr günstige Entwicklung hatten. Daher ist es ganz normal, dass Zahlen auch einmal schlechter ausfallen als erwartet. Das Szenario, dass die Erholung an Dynamik verliert, wird damit bestätigt. Man darf aber nicht übersehen, dass die Grundtendenz dennoch weiter aufwärts gerichtet ist. Der Rückgang jetzt ist daher alles andere als ein Beinbruch."

Andreas Scheuerle von der Dekabank sagte: "Der September-PMI ist eine bittere Pille. Sollte sich die Abwärtsbewegung fortsetzen, so wäre mit einem schwächeren zweiten Halbjahr zu rechnen, als wir das derzeit tun. Für das dritte Quartal hilft gegenwärtig aber noch der Schwung, den wir aus dem Vorquartal mitgenommen haben. Die deutsche Industrie erlebt nun mit einer gewissen Verzögerung die Abkühlung der globalen Konjunktur, die schon vom Welt-PMI angekündigt wurde. Erfreulich ist, dass die Beschäftigungskomponente sich weiter verbessert hat. Das festigt die Binnenwirtschaft und stabilisiert die Konjunktur."

Jörg Zeuner (VP Bank): "Der hauptsächlich exportgetriebene Aufschwung in Deutschland war nicht nachhaltig. Die deutschen Konjunkturdaten werden daher im zweiten Halbjahr schwächer werden. Die Industrieproduktion schaffte zuletzt keine Zuwächse mehr, die Auftragseingänge im Exportsektor zeigen erste Schwächen. Aufgrund der schlechten Stimmung reicht der private Konsum nach wie vor nicht aus, um eine Verschlechterung der Handelsbilanz zu kompensieren."

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