Konjunktur
Wall Street: Hoffnung trotz schwacher Konjunktur

Die US-Wirtschaft hat die Talsohle immer noch nicht erreicht. Sie ist im ersten Quartal noch stärker geschrumpft als von Experten erwartet. An den Börsen macht sich trotzdem die Hoffnung breit, dass sich die Konjunktur bald erholen könnte.

HB WASHINGTON. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der weltgrößten Volkswirtschaft sank im ersten Quartal 2009 mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 6,1 Prozent, wie das Handelsministerium am Mittwoch auf Basis vorläufiger Berechnungen mitteilte. Damit schrumpfte die Wirtschaft fast so stark wie im vierten Quartal 2008, als der Abschwung mit 6,3 Prozent so kräftig war wie seit 1982 nicht mehr. Analysten hatten zum Jahresauftakt im Schnitt mit einem annualisierten Rückgang von 4,9 Prozent gerechnet. Der stärkste Exportrückgang in 40 Jahren habe den Aufschwung bei den Verbraucherausgaben überspielt, erklärte das Handelsministerium in Washington.

Damit schrumpfte die US-Wirtschaft erstmals seit der Ölkrise 1974/75 drei Quartale in Folge. Grund waren vor allem drastisch fallende Exporte und Investitionen der Firmen. Die USA befinden sich seit fast eineinhalb Jahren in der Rezession. Zuletzt hatte es zaghafte Signale gegeben, dass der Abschwung etwas an Fahrt verliert.

Dennoch: An den Börsen machten sich Hoffnungen auf ein Abebben der Rezession breit. Sie starteten mit Gewinnen in den Handel gestartet. Zwar dämpfte starke Einbruch des Bruttoinlandsprodukts (BIP) die Stimmung etwas. Analysten betonten aber, dass die Zahlen schlimmer aussähen als sie tatsächlich seien. Vor allem die Verbraucherausgaben seien überraschend positiv und gäben Anlass zu Optimismus. Weitere Hinweise über die Entwicklung der weltgrößten Volkswirtschaft erhofften sich die Anleger von den geldpolitischen Entscheidungen der US-Notenbank am Abend.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte stieg in den ersten Handelsminuten um 1,2 Prozent auf 8110 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 legte 1,3 Prozent auf 865 Zähler zu. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 1,2 Prozent auf 1694 Punkte.

Auf der Unternehmensseite gehörte Time Warner zu den Gewinnern. Der Medienkonzern mit seinem Flaggschiff CNN konnte trotz der Flaute im Anzeigen- und DVD-Geschäft einen leichten Gewinnanstieg verzeichnen. Zudem bekräftigte das Unternehmen seine Prognose für das Gesamtjahr. Die Aktie legte rund sechs Prozent zu. Das Papier von Qwest gewann 2,8 Prozent. Der Quartalsgewinn des Telekomkonzerns fiel dank Sparmaßnahmen besser als erwartet aus. Die Titel der Schnellrestaurant-Kette Burger King verteuerten sich um drei Prozent. Der McDonald's-Rivale konnte seinen Quartalsgewinn ebenfalls mit Hilfe von Einsparungen steigern.

Insgesamt waren die vergangenen sechs Monate dem Handelsministerium zufolge das schlechteste Wirtschafts-Halbjahr seit 1957/58. "Die Wirtschaft ist noch nicht aus dem Gröbsten heraus", aber angesichts leerer Lager könnte die Produktion wieder angekurbelt werden, meinte der Chef- Ökonom Chris Rupkey von der Bank of Tokyo UFJ-Mitsubishi Ltd.

„Es steht außerfrage - das ist in vielerlei Hinsicht der schwerste wirtschaftliche Schock in der Nachkriegsära“, sagte Neal Soss, Chefvolkswirt von Credit Suisse in New York. Allein die Exporte schrumpften um 30 Prozent und damit so stark wie seit 1969 nicht mehr. Die Rezession schreckte Firmen von Investitionen ab: Hier gab es einen Rekordrückgang von rund 38 Prozent.

Statt neuer Produktion bauten die Unternehmen ihre Lager im Rekordtempo ab: Die Bestände schrumpften um 103,7 Milliarden Dollar im Vergleich zum vierten Quartal 2008. Klammert man dies aus, wäre die Wirtschaft nur um 3,4 Prozent eingebrochen. Dies könnte nach Ansicht von Experten allerdings im laufenden Frühjahrsquartal die Wirtschaft ankurbeln, denn irgendwann müssen die Firmen ihre Lager wieder auffüllen.

Am Dienstag hatten Daten über das Verbrauchervertrauen verhaltenen Optimismus ausgelöst. Der Index für das Verbrauchervertrauen, den das Forschungsinstitut Conference Board erstellt, legte im April unerwartet stark von 26,9 Zählern im Vormonat auf 39,2 Punkte zu. Das war der größte Anstieg seit November 2005. Erste Hoffnungssignale gab es auch vom US-Immobilienmarkt. Dem Case/Shiller-Index zufolge sanken die Häuserpreise in den 20 US-Metropolregionen im Februar zwar noch um 18,6 Prozent. Erstmals seit 16 Monaten markierte der Index aber kein neues Rekordtief.

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