Konjunktur
Weltwirtschaft erholt sich besser als erwartet

Die Experten des Internationalen Währungsfonds setzen ein deutliches Zeichen der Hoffnung. In einer extra für den G-8-Gipfel erstellten Studie sagt der Internationale Währungsfonds (IWF) eine schnellere Erholung der Weltwirtschaft voraus als bislang prognostiziert.

L'AQUILA. Insgesamt soll das globale Wachstum im kommenden Jahr schon wieder um 2,5 Prozent zunehmen. Für Deutschland wird das erwartete Minus für 2010 auf 0,4 Prozent reduziert, für die Eurozone werden minus 0,3 Prozent vorausgesagt. Das ist eine deutliche Korrektur nach oben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstrich mit Blick auf die verbesserte Prognose gestern auf dem G-8-Gipfel im italienischen L'Aquila ihre Forderung, die Staatengemeinschaft müsse trotz der krisenbedingten Verschuldung eine Rückkehr zu einer nachhaltigen Finanz- und Wirtschaftspolitik vorbereiten. Eine entsprechende Pasage findet sich in der Gipfelerklärung, wobei jedes Land nach seinen finanziellen Möglichkeiten wieder zur Konsolidierung zurückfinden soll. Die G-8 bekennen sich dazu, dass trotz der Krise die Nachhaltigkeit bei Klimaschutz und Entwicklungshilfe Priorität hat.

In dem Papier zur Weltwirtschaft verpflichten sich die G-8 ferner, dem Protektionismus eine klare Absage zu erteilen. Weltweit sei jedoch eine Zunahme protektionistischer Maßnahmen zu beobachten. Gemeinsam mit den größeren Schwellenländern soll diese Tendenz durchbrochen werden. Am Donnerstag wollen die G-8 zusammen mit acht weiteren wichtigen Staaten einen Auftrag an die Handelsminister erteilen, einen genauen Bericht über Handelshemmnisse zu erstellen.

Auch die seit über einem Jahr auf Eis liegende Doha-Runde zum Welthandel soll wieder aufgenommen werden. Bis zum G-20-Gipfel im September in Pittsburgh müssen bestehende Hindernisse beseitigt werden, damit dort der Startschuss für eine neue Welthandelsrunde bereits in 2010 fallen kann, hieß es in deutschen Delegationskreisen.

Bezüglich der Regulierung der Finanzmärkte bekräftigten die G-8 lediglich die auf dem letzten G-20-Gipfel eingeleiteten Maßnahmen. Man habe es bei dem Appell zur rechtzeitigen Umsetzung belassen, weil man von Seiten der G-8 aus keine "Parallelveranstaltung" durchführen wolle, hieß es in Regierungskreisen.

Deutlicher wurden die Staats- und Regierungschefs beim Thema Entwicklungshilfe. Da es immer wieder Streit über die jeweiligen nationalen Beiträge gibt, sollen die Anstrengungen der einzelnen Länder jetzt in einem Bericht genau aufgelistet und laufend fortgeschrieben werden. Nach den USA ist Deutschland mit 3,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der zweitgrößte Geber für Entwicklungshilfe.

Bei den Themen Wasserversorgung und Nahrungsmittelhilfe wollen die G-8 die internationalen Organisationen wie die Uno und andere zu einem Kurswechsel zwingen. Man habe zwar seit 2008 über 13 Mrd. Euro an Nahrungsmittelhilfe zugesagt. Künftig sollen die Mittel aber mehr in die Nahrungsmittelproduktion vor Ort fließen, um dem wachsenden Problem der Unterernährung besser begegnen zu können, heißt es in der Passage der Gipfelerklärung. Viel Geld ist den G-8 auch die Weltgesundheit wert. Zwar gab es im letzten Jahr die Zusage, zur Bekämpfung von Seuchen und gefährlichen Erkrankungen 60 Mrd Euro aufzubringen. Der Zeitraum für diese Zahlung war jedoch offen geblieben. Jetzt verpflichteten sich die Industriestaaten, die 60 Mrd. Euro bis 2012 bereitzustellen.

Daniel Goffart
Daniel Goffart
Handelsblatt / Ressortleiter
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