Konjunktur
Weniger Arbeitskräfte gesucht

Obwohl sich Deutschland langsam aus der Rezession befreit hat, ist die Nachfrage nach Arbeitskräften im August gesunken. Der entsprechende Index der Bundesagentur für Arbeit sank um einen Zähler auf 121 Punkte. Experten sehen dennoch erste Hoffnungsschimmer.
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HB BERLIN. Im Juni und Juli hatte das Barometer bei 122 Punkten stagniert. "Inwieweit damit der Abwärtstrend gestoppt und die Talsohle erreicht ist, bleibt jedoch abzuwarten", schrieben die Experten. Der BA-Stellenindex signalisiere zudem immer noch einen Nachfragerückgang. Das dürfte sich in den kommenden Monaten negativ auf die Beschäftigung auswirken.

Als Folge der Rezession suchen die Unternehmen deutlich weniger neue Mitarbeiter. Der Stellenindex liegt derzeit um 44 Punkte unter dem Vorjahresstand - die Nachfrage ist damit so gering wie zuletzt im Sommer 2005. Bisher wurde ein kräftiger Anstieg der Arbeitslosigkeit durch den Einsatz der Kurzarbeit abgemildert. Das Schlimmste steht dem Arbeitsmarkt daher noch bevor.

Spätestens ab Herbst wird mit einem deutlichen Anstieg auf mehr als vier Mio. Arbeitslose im kommenden Jahr gerechnet. Einige Analysten zeigten sich zuletzt aber wieder etwas optimistischer. Die Bundesagentur legt am Dienstag die Daten zum Arbeitsmarkt im August vor. Von Reuters befragte Volkswirte gehen davon aus, dass die Zahl der Arbeitslosen nur leicht auf 3,480 Mio. steigt. Um saisonale Effekte bereinigt erwarten sie eine Zunahme um 30 000.

Allerdings werden sich die düsteren Prognosen von fünf Mio. Arbeitslosen im Jahr 2010 Experten zufolge wohl nicht bewahrheiten. Dieter Bräuninger von Deutsche Bank Research sagte am Montag: „Wir denken, dass es auf dem Arbeitsmarkt besser laufen könnte als noch vor wenigen Monaten angenommen.“ Deka-Bank-Ökonom Sebastian Wanke sieht es ähnlich: „Es mehrt sich die Hoffnung, dass man am Arbeitsmarkt mit einem blauen Auge davonkommt“, wie er der „Berliner Zeitung“ sagte. Dennoch ist erst einmal ein Anstieg der Arbeitslosigkeit zu befürchten.

Deutsche-Bank-Ökonom Bräuninger sieht die jüngste Entwicklung des Stellenindex' ebenfalls noch nicht als Trendwende, aber: „Das ist ein weiteres hoffnungsvolles Zeichen, dass es nicht so schlimm kommt wie erwartet.“ Die Wirtschaft sei jetzt in ihrer Talsohle angekommen, es gehe langsam wieder aufwärts. Der Arbeitsmarkt folge der Wirtschaftsentwicklung grundsätzlich mit einiger Verzögerung. „Wir werden also im Winter und bis weit in das nächste Jahr hin noch ungünstige Zahlen sehen. Aber die Schreckensmeldungen von fünf Mio. Arbeitslosen haben wir noch nie geteilt und sehen uns darin nun bestätigt.“

Dagegen rechnen Steffen Henzel vom Münchner Ifo-Institut und Rolf Schneider von Allianz Economic Research mit deutlichen Anstiegen: Henzel erwartet eine Zunahme um 30 000, Schneider um 54 000. Ihrer Einschätzung nach nimmt die Entlastung durch die Kurzarbeit allmählich ab, während sich die Wirtschaftskrise immer stärker bemerkbar mache und zu Entlassungen führe.

Im Juli war die Zahl der Menschen ohne Job um 52 000 auf 3,462 Mio. gestiegen, die Arbeitslosenquote erhöhte sich um 0,1 Prozentpunkte auf 8,2 Prozent.

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