Konjunktur
Wirtschaft blickt mit Sorge auf 2009

Die Wirtschaft geht angesichts düsterer Konjunkturaussichten mit einer gehörigen Portion Pessimismus in das neue Jahr. Das zeigt eine am Montag veröffentlichte Umfrage des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) unter 43 Branchenverbänden.

Bis auf die Volksbanken und den Einzelhandelsverband HDE gaben alle an, die Stimmung in ihrer Sparte sei schlechter als beim vorigen Jahreswechsel. „Die Stimmung hat sich deutlich eingetrübt, und 2009 blicken viele Branchen mit Sorgen entgegen“, sagte der Direktor des IW, Michael Hüther. Das Institut hatte 43 Branchenverbänden befragt und die Umfrage am Montag veröffentlicht.

Wie aus der Umfrage hervorgeht, rechnet die Mehrzahl der Verbände damit, dass Produktion und Investitionen 2009 zurückgehen. Insgesamt elf Sparten rechnen sogar mit einem starken Rückgang von Produktion und Umsatz, darunter die Werbewirtschaft und die Automobilindustrie, die unter einem massiven Absatzeinbruch leidet. Viele Autofirmen reagierten bereits mit verlängerte Weihnachtsferien auf die Krise und legten die Montagebänder längere Zeit still, um die Produktion zu drosseln.

BDI-Präsident Jürgen Thumann warnte allerdings ebenso wie DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun vor zu viel Schwarzmalerei. Das kommende Jahr werde ohne Zweifel schwierig, sagte Thumann der Nachrichtenagentur Reuters: „Den Wettbewerb um die schlechteste Konjunkturprognose halte ich aber für unverantwortlich.“ Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute hatten sich jüngst in immer düsteren Prognosen gegenseitig überboten. Sie sagen der Bundesrepublik für 2009 das mit Abstand schlechteste Jahr seit ihrer Gründung im Jahr 1949 voraus.

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) erwartet, dass die exportlastige deutsche Wirtschaft im Sog des weltweiten Abschwungs nächstes Jahr um 2,7 Prozent schrumpft. Das Münchner Ifo-Institut prognostiziert ein Minus von 2,2 Prozent. Angesichts der großen Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung forderte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt in einem Interview alle politischen Kräfte zu einer großen gemeinsamen Kraftanstrengung bei der Krisenbekämpfung auf: „Ich bin überzeugt, dass wir die Herausforderungen meistern, wenn Politik, Wirtschaft und auch die Gewerkschaften gemeinsam an einem Strang in die richtige Richtung ziehen.“ Mehr Investitionen sowie niedrigere Steuern und Abgaben sind Hundt zufolge die richtigen Instrumente, um aus der Krise herauszufinden.

Am kommenden Montag beraten die Koalitionsspitzen über die weiteren Maßnahmen im Kampf gegen den Abschwung. Dabei werden zumindest Richtungsentscheidungen erwartet. In Regierungskreisen war zuletzt von einem Konjunkturpaket im Volumen von 25 Milliarden Euro die Rede, um die Krise abzufedern.

Dann würde es sich allerdings rächen, wenn in der Krise zu viele Stellen gestrichen werden sollten, meint Handwerkspräsident Otto Kentzler. „Das Handwerk braucht seine gut ausgebildeten Fachkräfte, wenn die Konjunktur sich wendet. Es wäre schlimm, wenn die schlechte Weltkonjunktur unsere Wirtschaft so tief herunterzieht, dass wir auch unsere guten Kräfte nicht mehr halten können“, sagte der ZDH-Präsident.

Das Kieler IfW geht davon aus, dass die Zahl der Arbeitslosen 2009 im Jahresschnitt um rund 400.000 ansteigen wird. Der Arbeitsmarkt dürfte damit etwas glimpflicher durch die Rezession kommen als in der Vergangenheit. Aus Sicht der Forscher liegt dies vor allem an den Arbeitsmarktreformen und rückläufigen Lohnkosten.

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