Konjunktur
Wirtschaft erwartet Plus bei Exporten

Die deutsche Exportindustrie blickt wieder zuversichtlicher in die Zukunft. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und der Bundesverband Groß- und Außenhandel (BGA) erwarten, dass der Einbruch des Welthandels seinen Tiefpunkt erreicht hat und sich die deutsche Exportwirtschaft in den kommenden Monaten leicht erholen wird.

BERLIN. "Es spricht einiges dafür, dass der Sturzflug im Export beendet ist. Die jüngsten Zahlen lassen vorsichtig aufatmen. Nach der positiven Entwicklung der Auftragseingänge erwarten wir jetzt eine weitere Konsolidierung der Exporte", sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf. BGA-Präsident Anton F. Börner rechnet ebenfalls mit einer Bodenbildung, allerdings auf extrem niedrigem Niveau: "Wir haben das Tal noch nicht durchschritten".

Die beiden Wirtschaftsverbände begründen ihren verhaltenen Optimismus mit der Entwicklung der Auftragseingänge. Die Auftragseingänge legten im Mai um 5,2 Prozent zu, die Exporte stiegen leicht um 0,3 Prozent. Im aktuellen AußenwirtschaftsReport spricht der BDI von zunehmenden Anzeichen einer Stabilisierung der Exportwirtschaft, allerdings auf niedrigem Niveau. "Die weltweiten Konjunkturprogramme könnten dazu führen, dass die Exporte Ende des Jahres wieder ansteigen", sagte Schnappauf. BGA-Präsident Börner erwartet eine etwas längere Erholungsphase. "Im laufenden Jahr rechne ich mit einem Rückgang der Exporte um bis zu 18 Prozent. 2010 sieht alleine schon wegen des Basiseffektes nicht so schlimm aus. Ich erwarte, dass es im nächsten Jahr wieder langsam aufwärts geht", sagte Börner dem Handelsblatt.

Ein Selbstläufer ist nach Einschätzung von BDI und BGA die Erholung der Exportwirtschaft allerdings nicht. "Voraussetzung für einen Aufschwung der Weltwirtschaft sind offene und freie Märkte. Seit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise verzeichnen wir einen messbaren Anstieg protektionistischer Maßnahmen. Diese Entwicklung gilt es rasch zu stoppen, weil sie die Krise noch verschärfen würde. Deshalb muss die Doha- Runde in der WTO endlich zügig abgeschlossen werden", sagte Börner.

Nach Einschätzung des BDI befürchten viele Unternehmen, von "buy national"-Klauseln betroffen zu sein. Sorge bereite ihnen zudem die Exportfinanzierung. "Die Kreditwirtschaft hält sich zunehmend zurück, Exporte zu finanzieren. Diese Lage könnte sich in den nächsten Monaten zuspitzen", sagte Schnappauf. Die von Bundesregierung und EU beschlossenen Maßnahmen zur Erleichterung der Exportkreditversicherung und der Exportfinanzierung müssten erheblich nachgebessert werden.

Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur
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