Konjunktur
Wirtschaft ist gegen Krise gut gewappnet

Der Euro schwankt um 1,50 Dollar, ein Barrel Öl kostet mehr als hundert Dollar, der US-Wirtschaft steht nach der Immobilien- und Finanzkrise (Subprime) eine ganz reale Rezession bevor. Schlechte Nachrichten, die eine exportorientierte Volkswirtschaft auf Talfahrt schicken könnten. Doch bislang zeigt sich die deutsche Wirtschaft resistent.

FRANKFURT. „Die Unternehmen in Deutschland sind zwar verunsichert, direkte Auswirkungen spüren sie aber noch nicht“, sagt der Präsident des Bundesverbandes des deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), Anton Börner, dem Handelsblatt. „Daher müssen wir auch keinen Investitionsstopp befürchten.“

Tatsächlich trotzt die Konjunktur in Deutschland der globalen Krise bislang. Wichtige Indikatoren wie zuletzt der Einkaufsmanagerindex für die Industrie und den Servicesektor zeigen nach wie vor nach oben. Ausgerechnet der Exportweltmeister Deutschland mit einer Exportquote von fast 50 Prozent ist im globalen Krisenumfeld eine Ausnahme.

Wie stark die turbulente Entwicklung in den USA und die dadurch ausgelöste internationale Finanzmarktkrise einzelne Volkswirtschaften trifft, hängt grundsätzlich von deren Struktur ab: Je offener und je verflochtener ein Land mit der US-Wirtschaft ist, desto größer ist die Gefahr, mit in den Abwärtsspirale gerissen zu werden. also Alarmstufe Rot für Deutschland, dessen zweitwichtigstes Absatzland die USA sind?

Nein. Denn wie groß die Gefahr tatsächlich ist, hängt von vielen Faktoren ab: Welche Rolle spielt der Außenhandel für ein Land? Wie multinational sind die Unternehmen aufgestellt? Welche Bedeutung haben die Finanzmärkte? Wie hoch ist das Vertrauen in die Region? Als „groß“ stuft Elga Bartsch von Morgan Stanley die Abschwunggefahr für Länder ein, die bereits „interne Probleme haben" – wie Großbritannien, Irland und Spanien auf ihren Immobilienmärkten.

Da steht die deutsche Volkswirtschaft deutlich besser da: Auch wenn sie nicht frei von Gefahren ist dürfte sie kaum in eine Rezession mitgerissen werden. Das halten Konjunkturexperten wie der Deutschland-Chefvolkswirt von Goldman Sachs, Dirk Schumacher, für „äußerst unwahrscheinlich“. Ausschlaggebend dafür ist die gute Grundverfassung der Firmen. Die einstige rote Laterne der Euro-Zone ist nach Meinung der Experten hervorragend gerüstet: „Den deutschen Unternehmen kommt jetzt sehr zu Gute, dass sie massiv ihre Wettbewerbsfähigkeit gesteigert haben in den letzten Jahren“, argumentiert Schumacher.

Der erfolgreiche Restrukturierungskurs hat aus Sicht von Morgan Stanley-Ökonomin Bartsch einen elementaren Vorteil: Die erwirtschafteten Gewinne machten die deutschen Firmen relativ unabhängig. „Die Verengung der Kreditbedingungen kann relativ gut abgefedert werden“, sagt sie. Der Außenfinanzierungsbedarf sei gering, sowohl die Gewinnquote als auch die Gewinnmargen hoch.

Auch der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun, geht davon aus, dass es keine ähnlichen Probleme bei der Kreditvergabe geben wird wie in den USA: „Auch wenn einzelne Kreditinstitute Probleme haben, steht das deutsche Bankensystem immer noch auf solidem Fundament“, sagte er dem Handelsblatt. Das liege vor allem daran, dass die Mehrheit der Kreditinstitute kaum oder gar nicht in den betroffenen Märkten engagiert ist. Eine DIHK-Befragung hatte ergeben, dass sich die Kreditkonditionen für Unternehmen nur leicht verschlechtert haben. „Von einer Kreditklemme kann also keine Rede sein“, sagt Braun. „Vor diesem Hintergrund warne ich davor, hierzulande den vereinzelten Rufen nach staatlichen Hauruck-Aktionen zu folgen.“

Seite 1:

Wirtschaft ist gegen Krise gut gewappnet

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%