Konjunktur
Zweifel an Japans Aufschwung

In Japan zeigen immer mehr Wirtschaftsindikatoren nach oben. Doch gleichzeitig wächst die Skepsis, ob der Aufschwung tatsächlich in Gang kommt. Experten bezweifeln auch, dass der Aktienmarkt in Japan auf seinem vergleichsweise hohem Niveau bleibt.

TOKIO. "Es gibt noch enormen Korrektur- und Abschreibungsbedarf", warnt Martin Schulz, Ökonom am Fujitsu Research Institute in Tokio. Vom derzeitigem Optimismus hält er nichts. Das Geschäftsklima scheine sich zwar etwas zu bessern, das liege aber nur an den extremen Tiefständen vom Frühjahr. "Wenn die nächsten Quartalszahlen kommen, könnte eine Korrektur der Wahrnehmung einsetzen", sagt Schulz. Japans Industrie habe noch hohe Überkapazitäten.

Experten bezweifeln auch, dass der Aktienmarkt in Japan auf seinem vergleichsweise hohem Niveau bleibt. "Das kann gut gehen, ich bin da aber eher pessimistisch", sagt Schulz. Die derzeitigen Niveaus der Börsen wirken auf ihn wie eine "typische Bärenralley". Schulz verweist auf das Beispiel Japans: Dort waren anfängliche Erholungen während einer ähnlichen Finanzkrise in den 90er-Jahren immer wieder im Keim erstickt.

Diese zeitgeschichtliche Erfahrung stimmt misstrauisch. Hidehiko Fujii vom Japan Research Institute erwartet, dass Nippons Wirtschaft am Jahresende 2009 noch deutlich unter dem Stand vom vergangenem Herbst steht. Für das erste Quartal kommenden Jahres befürchtet er wieder ein Abrutschen in die Rezession. Die Konjunkturprogramme würden verpuffen, während die Sorgen über die Staatsverschuldung wüchsen, so sein Szenario. Fujii bezweifelt auch, ob sich die USA so schnell erholen wie derzeit erhofft.

Chefökonom Richard Koo vom Nomura-Forschungsinstitut warnt ebenfalls vor großem Konjunkturoptimismus. "Die Daten zeigen, dass Erholungserwartungen eher Hoffnungen sind", sagt er. Die globale Bilanzrezession infolge der US-Immobilienblase verschlimmere sich derzeit eher, als dass sie sich verbessere. Bei einer Bilanzrezession verbringen die Unternehmen und Banken viele Jahre damit, Schulden zurückzuzahlen statt zu investieren. Die allgemeine Sparsamkeit führt in eine Abwärtsspirale der Wirtschaft.

Besondere Sorge bereitet Koo die weiter sinkende Bereitschaft der US-Banken, Kredite zu vergeben. Er hält ihre Bemühungen, öffentliches Geld schnell zurückzugeben, für einen Fehler. "Die Banken zahlen die Regierungsmittel zurück, während sie sich auf der anderen Seite weigern, Geld zu verleihen." Zehn der größten US-Banken haben bereits insgesamt 70 Mrd. Dollar an den Staat überwiesen. Dafür erhalten sie die Freiheit zurück, zu wirtschaften, wie sie wollen. Die Regierung hatte die Geldspritzen an Kontrollen der Geschäfte und der Spitzengehälter gebunden.

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