Konjunkturausblick
Asiens Tiger zeigen sich robust

Die Schwellen- und Entwicklungsländer Asiens werden in diesem Jahr kräftig weiterwachsen. Das prophezeit die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) in ihrem jährlichen Konjunkturausblick. Besondere Hoffnung liegt dabei auf die Devisenreserven der Schwellenländer.

TOKIO. Im Durchschnitt könnten die untersuchten Staaten auf einen Anstieg des Bruttoinlandprodukts von 7,6 Prozent kommen, sagte ADB-Chefökonom Ifzal Ali am gestrigen Dienstag in Tokio. „Wir rechnen insgesamt mit einer starken Entwicklung und sehen hervorragende Aussichten“, so der Volkswirt. Die Asiatische Entwicklungsbank mit Sitz in Manila hat den Auftrag, armen Ländern durch gezielte Kredite auf die Beine zu helfen. Größte Anteilseigner sind Japan und die USA, auch Deutschland sitzt mit im Boot. Die Institution entstand auf Initiative der Vereinten Nationen.

Die entwickelten Länder würden zwar wegen einer Konjunkturabkühlung nicht mehr so viele Waren abnehmen wie noch 2006, doch das werde durch stärkere Nachfrage im Inland ausgeglichen, sagte Chefökonom Ali. Insgesamt nehme das Wachstum zwar leicht ab, die Basis der Wirtschaftsentwicklung werde aber umso stabiler. Die Inflation falle von 3,4 Prozent im Jahr 2006 auf drei Prozent. Eine bessere Vernetzung mit den entwickelten Ländern helfe, Finanzmarktrisiken einzugrenzen. Zudem trieben die Länder Asiens insgesamt Reformen voran, die dem Investitionsklima nutzten.

Mittelfristig setzt Ali besondere Hoffnungen auf eine klügere Nutzung der Devisenreserven der Schwellenländer, die sich aktuell auf zwei Billionen Dollar summieren. Dieses Geld sei bisher wenig gewinnbringend mit einer Verzinsung von etwa drei Prozent angelegt. Wenn sich renditeträchtigere Geldanlagen dafür fänden, wären gewaltige Investitionen beispielsweise in Straßen oder Stromleitungen möglich.

Vor allem China kauft derzeit laufend Dollar, um trotz des höheren Werts der einheimischen Waren und Dienstleistungen den Wert der eigenen Währung Yuan gegen den Dollar niedrig zu halten. Das Reich der Mitte schlägt jedoch derzeit Ali zufolge den richtigen Weg ein, um mit den gehorteten Dollars umzugehen: China hat angekündigt, die Dollar-Reserven in eine Art staatlichen Investmentfonds zu überführen. Auch ansonsten sieht Ali das Land auf dem grundsätzlich richtigen Weg. Das Wachstum der heiß gelaufenen Wirtschaft sinke 2007 von 10,7 auf glatte zehn Prozent, so die Prognose. Es bestehe jedoch weiter das Problem, dass einige Provinzregierungen zu stark investierten, um sichtbares Wachstum zu schaffen.

Für Indien erwartet Ali eine deutlichere Abkühlung – statt 9,2 Prozent Wachstum wie im Vorjahr nur noch acht Prozent. Die Inflation bleibe mit fünf Prozent zu hoch – und weil bei der Ausdehnung der Gesamtwirtschaft die Produktivität der Landwirte fast stehen geblieben sei, belasteten schnell steigende Lebensmittelpreise die Stimmung. Die Regierung müsse für größere Effizienz im Agrarsektor sorgen und die Preisanstiege in den Griff bekommen, sagte Ali in Richtung seines Heimatlandes. Zwar habe die Zentralbank mit Zinserhöhungen reagiert, doch er vermisse fundamentale Wirtschaftsreformen.

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