Konjunkturausblick
Aufschwung legt eine Atempause ein

Der Aufschwung in Deutschland legt ab dem zweiten Halbjahr 2007 eine Pause ein, er bricht aber nicht ab. Dies schreiben die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrer Gemeinschaftsdiagnose für das Bundeswirtschaftsministerium. Sie erwarten zudem bereits in diesem Jahr einen Überschuss im Staatshaushalt. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hatte zuletzt noch mit einem Defizit von 0,1 Prozent des Bruttoninlandsproduktes gerechnet.

dri/asr/HB BERLIN. Vor zwei Jahren noch verstieß Deutschland gegen den Euro-Stabilitätspakt, weil das Defizit der öffentlichen Hand mehr als drei Prozent der Wirtschaftsleistung betrug. Und in diesem Jahr schon könnten die Haushalte von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherungen am Ende insgesamt ein kleines Plus ausweisen. Davon gehen zumindest die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Herbstgutachten aus. Die Diagnose, die am Donnerstag veröffentlicht wird, liegt dem Handelsblatt vor.

Das Wirtschaftswachstum wird dem Herbstgutachten zufolge in diesem Jahr 2,6 Prozent erreichen und sich im kommenden Jahr auf 2,2 Prozent verlangsamen. Dämpfend auf die Konjunktur wirken sich in diesem Jahr laut Gutachten die Mehrwertsteuererhöhung zu Beginn dieses Jahres, der Ölpreisanstieg, der starke Euro und die jüngsten Finanzmarktturbulenzen aus. Im kommenden Jahr werde sich die Weltkonjunktur abkühlen. In Deutschland aber werde dann der Konsum zur tragenden Konjunkturstütze: Das verfügbare Einkommen wird dann dank der Lohnerhöhungen und sinkender Arbeitslosigkeit höher liegen als in den Vorjahren.

Die Arbeitslosigkeit wird laut Gutachten weiter zurückgehen, allerdings langsamer als in diesem Jahr, für das die Institute 3,78 Millionen Arbeitslose angeben. 2008 werden noch 3,45 Millionen Menschen ohne Job sein. Stärker zunehmen wird nach der Diagnose die Zahl der Erwerbstätigen, weil auch Menschen aus der stillen Reserve neue Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben: Ihre Zahl soll von 39,76 Millionen auf 40,08 Millionen, und damit auf einen Höchststand, steigen. Auch Langzeitarbeitslose haben inzwischen eine Chance auf dem Arbeitsmarkt: Ihre Zahl lag im September um 355 000 niedriger als zu Jahresbeginn.

Anders als früher beschäftigen sich die Gutachter, die erstmals per Ausschreibung bestimmt wurden, jetzt auch mit verschiedenen Risikoszenarien. „Doch selbst in einem Szenario, in dem gleichzeitig die Immobilienpreise in den USA weiter einbrechen, die Aktienkurse in den Industrieländern kräftig sinken und der Euro erheblich aufwertet, wären die Effekte wohl nicht so groß, dass mit einer Rezession in Deutschland zu rechnen wäre“, heißt es in dem Gutachten.

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