Konjunkturausblick
Deutschland: Exportnation, auch in der Krise?

Das "Geschäftsmodell" des Exportweltmeisters Deutschland ist derzeit heftigen Diskussionen ausgesetzt. Seit Monaten sinken die Ausfuhren nur noch. Wie also sieht die Zukunft der erfolgshungrigen Exporteure der Bundesrepublik aus? Erst wenn man die Gründe versteht, eröffnen sich auch Auswege aus der Krise.

FRANKFURT. "Exportnation, auch in der Krise." Was Bundeskanzlerin Angela Merkel auf ihrer Homepage schreibt, klingt fast ein bisschen trotzig. Jedenfalls wenn man bedenkt, dass die Exporte seit Monaten sinken und sinken. Zuletzt brachen sie erdrutschartig ein, im April um 28,7 Prozent im Vorjahresvergleich. Während die Exporteure die deutsche Volkswirtschaft im Aufschwung zu einem der großen Globalisierungsgewinner machten, zerren sie das Land in Zeiten der globalen Wirtschaftskrise in die Opferrolle. Derzeit sind Autos und Maschinen made in Germany auf dem Weltmarkt eben nicht gefragt - und gerade das sind Deutschlands wichtigsten Exportprodukte.

Entscheidende Fragen sind: Was kommt auf die deutschen Exporteure nach dem schwärzesten Jahr der bundesdeutschen Wirtschaftsgeschichte zu? Kann die größte Volkswirtschaft der Euro-Zone auch künftig darauf bauen, vor allem dank der brummenden Auslandsnachfrage zu wachsen? Der Spezialist für hochwertige Industrieprodukte exportiert seit Jahren mehr als er importiert - und erwirtschaftet so hohe Überschüsse. Im Ausland entstehen so Defizite, die sich viele in und nach der Krise nicht weiter leisten können. Das "Modell" ist infrage gestellt.

Mit diesem Problem steht Deutschland zwar nicht alleine da - aber manch anderer exportstarker Nation wie China dürfte es leichter fallen, ihren Inlandsmarkt zu stärken. Denn während in der Volksrepublik der Nachholbedarf bei Infrastruktur und privatem Konsum groß ist, gelingt es in der Bundesrepublik seit Jahren nicht, den privaten Konsum nachhaltig zu stärken.

Der Blick zurück erklärt, warum das "Geschäftsmodell" des Exportweltmeisters Deutschland derzeit so heftigen Diskussionen ausgesetzt ist: Die Exporte, deren Anteil am deutschen Bruttoinlandsprodukt bei nahezu 50 Prozent liegen, sind seit 1950 bislang in gerade einmal vier Jahren geschrumpft, zuletzt 1993 um 6,4 Prozent. In diesem Jahr dürfte es einen Rückschlag von 18 Prozent werden, schätzt der Branchenverband BGA.

Dass der Fall in diesem Jahr so tief und schmerzlich sein wird, hat zwei Gründe: Die Finanzkrise trifft nicht nur einzelne Länder oder Regionen, sondern die gesamte, immer enger miteinander verwobene Weltwirtschaft. Und dass die deutsche Wirtschaft im zurückliegenden Boom phänomenale Wachstumsraten erzielen konnte, macht den nun folgenden Absturz noch heftiger.

Wie also sieht die Zukunft der erfolgshungrigen Exporteure der Bundesrepublik aus? Ihr Ausfuhrvolumen wird nach der Krise zunächst nicht wieder ein solch hohes Niveau haben, da ist sich der Außenhandelsexperte Holger Görg sicher.

Seite 1:

Deutschland: Exportnation, auch in der Krise?

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%