Konjunkturausblick
Italien sucht den Weg aus der Krise

2008 schlitterte Italien in die Krise, nun steuert das stark exportabhängige Land auf neue Rekordschulden zu - und das, obwohl Staatschef Silvio Berlusconi unterm Strich null Euro für Konjunkturpakete ausgegeben hat. Sein Konzept: Optimismus verbreiten.

MAILAND. Die Welt zu Gast in Italien. Für den G8-Gipfel diese Woche hat sich der Touristenmagnet Italien einen sehr untouristischen Ort ausgesucht: Mitten im Erdbebengebiet, in L?Aquila, will Gastgeber Silvio Berlusconi über Lösungen für die großen Probleme der Welt diskutieren. Die desolate Szenerie passt zur Krise. Und Berlusconi scheint zu hoffen, dass die Länder aus den Trümmern auferstehen werden. Optimismus ist sein Programm.

Auch die Konjunktur des Gastgeberlands Italien könnte eine Auferstehung bestens gebrauchen. Das stark exportabhängige Land, das bereits im vergangenen Jahr in die Rezession schlitterte und dessen Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um 2,6 Prozent geschrumpft ist, steuert in diesem Jahr auf neue Rekordschulden zu. Das Haushaltsdefizit ist im ersten Quartal mit 9,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf Rekordhöhe seit 1999 gestiegen. Das liegt deutlich über den 5,7 Prozent im ersten Quartal 2008. Für das Gesamtjahr rechnet die Regierung bislang offiziell mit einer Neuverschuldung von 4,6 Prozent, auch wenn Berlusconi vor wenigen Tagen einräumte, dass diese Zahl sich wohl eher der fünf Prozent nähern werde. Fünf Prozent ist auch die Prognose der Ökonomin des Forschungsinstituts Prometeia, Lucia Cossaro. Diese sei auch noch nach den jüngsten Daten zu erreichen.

Pessimistischer sieht die Lage die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und sagt ein Defizit von 5,3 Prozent voraus. Andere Ökonomen sind noch skeptischer: "Ich schließe nicht aus, dass das Defizit Ende des Jahres sieben Prozent erreicht", sagt Fabio Pammolli, Präsident des Wirtschaftsforschungsinstituts CERM. Die Gesamtverschuldung Italiens wird nach Schätzungen der OECD im kommenden Jahr auf 115 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen.

"Bemerkenswert ist, dass wir eine so hohe Verschuldung haben, obwohl die Regierung unterm Strich Null Euro für Konjunkturpakete ausgegeben hat", bemerkt der Ökonom Pammolli. Das zeige aber auch, dass die Regierung richtig lag, nicht wie andere Länder neo-keynesianische Konjunkturprogramme aufgelegt zu haben. "Angesicht einer solchen Verschuldung kann sich das Italien gar nicht leisten", sagt er. Nach seiner Ansicht ist es jedoch an der Zeit, grundlegende Probleme der italienischen Wirtschaft anzugehen: "Wir müssen uns fragen, welche größeren Reformen 2010 geplant sind." Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, in Italien oder auch international anzukündigen, was die Regierung vorhat. Etwa beim Arbeitsmarkt, beim Rentensystem und bei der Infrastruktur in Süditalien sieht der CERM-Präsident noch Spielraum. Schließlich können auch Ankündigungen psychologisch eine belebende Wirkung auf die Wirtschaft haben.

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