Konjunkturausblick
Sparzwang bremst die Briten aus

Die Briten haben lange Zeit über ihre Verhältnisse gelebt. Nun reißt die Finanzkrise neue Löcher in den Etat. Warum die ausufernde Verschuldung das zarte Pflänzchen Aufschwung verdorren lassen könnte. Der Konjunkturausblick für Großbritannien.
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LONDON. Eigentlich war es keine schlechte Woche für den nicht gerade von guten Nachrichten verwöhnten britischen Premierminister Gordon Brown. Gleich mehrere beruhigende Neuigkeiten über die bevorstehende Erholung der angeschlagenen Wirtschaft flatterten auf den Schreibtisch des Labour-Regierungschefs. Und die Ratingagentur Moody’s ließ wissen, dass das erstklassige Bonitätsrating der überschuldeten Briten erst einmal sicher ist.

Inzwischen spricht tatsächlich sehr viel dafür, dass Großbritannien schon bald aus der schwersten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg auftauchen wird. Bleibt nur die Frage, wie stark der Aufschwung ausfallen wird. Und da könnte sich Browns Miene gleich wieder verdüstern. Denn in Großbritannien müssen alle sparen – der Staat, die Verbraucher und die Unternehmen. Am Ende könnte die neue Enthaltsamkeit dafür sorgen, dass die Erholung auf der Insel langsamer und zerbrechlicher ausfällt als auf dem Kontinent, weil es wegen der hohen privaten und öffentlichen Verschuldung schwer fallen wird, den Aufschwung in Gang zu halten.

Für Brown wäre das eine schlechte Nachricht. Denn spätestens im nächsten Juni muss in Großbritannien gewählt werden. In Umfragen liegen die Konservativen derzeit mit 41 Prozent deutlich vor der Labour-Partei, die nur auf 25 Prozent kommt. Retten könnte Brown wohl nur noch eine nachhaltige und zügige Erholung der Wirtschaft.

Erste Hoffnungszeichen gibt es: In der vergangenen Woche meldeten die Statistiker für Juli einen Anstieg der Industrieproduktion um 0,5 Prozent zum Vormonat, das stärkste Plus seit Anfang 2008. Untermauert wurde die Hoffnung auf ein Ende der Rezession durch das National Institute of Economic and Social Research, das davon ausgeht, dass die britische Wirtschaft in den drei Monaten bis Ende August um 0,2 Prozent gewachsen ist. Das wäre die erste positive Rate seit Mai 2008.

Die vielleicht beste Nachricht kam aber von der Ratingagentur Moody’s, die versicherte, dass Großbritanniens erstklassiges Kreditrating trotz der ausufernden Staatsverschuldung vorerst nicht in Gefahr ist. Damit scheint Moody’s die Lage etwas entspannter zu sehen als die zweite große Ratingagentur Standard & Poor’s, die Ende Mai den Ausblick für die Briten von „stabil“ auf „negativ“ geändert hat. Die Bestnote „AAA“ wurde zwar beibehalten. Die Veränderung des Ausblicks bedeutet aber, dass jetzt eine Wahrscheinlichkeit von 30 Prozent besteht, dass das Königreich seine Spitzenbewertung als Staatsschuldner verlieren wird.

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