Konjunkturausblick
Und es geht noch weiter abwärts

Rund um den Globus haben Banken und Investoren, Unternehmen und Privatleute das Spiel mit billigen Schulden überdreht, die führende Volkswirtschaft USA vorneweg. Eine schnelle Erholung scheint indes immer unwahrscheinlicher. Trotz Konjunkturprogramm rutscht der Konsumtempel USA immer tiefer in die Krise - und droht Deutschland mitzureißen.
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NEW YORK. Wo ist der Boden? Liegt das Schlimmste bald hinter uns? Oder setzt sich die Rezession mit steigender Dynamik fort? Die Fragen im US-Wirtschaftssender CNBC sind seit Wochen seltsam eintönig, die Antworten der Experten ungewöhnlich ratlos. Auffällig ist allein, dass die Zahl derjenigen schwindet, die eine schnelle Erholung im Land der raschen Krisenbewältiger prophezeien. Dass sich der Mainstream inzwischen auf eine lange Krise einrichtet und Mini-Lichtblicke bei dem einen oder anderen Frühindikator eher als Fehlsignal denn als Hoffnungsschimmer interpretiert, hat einleuchtende Gründe.

Die Welt erlebt eine historisch äußerst seltene Situation, in der die führenden Industrienationen annähernd synchron in einer tiefen Rezession stecken. Kaum hat die Wirtschaftslokomotive Amerika Totalschaden vermeldet, geht in Europa die Kohle aus.

Beispiel Deutschland: Der Anteil der deutschen Exporte in die USA sank zwar von 2001 bis 2007 von 10,6 auf 7,6 Prozent. Dennoch ist die USA nach Frankreich der bedeutendste Absatzmarkt für hiesige Exporteure. 2007 gingen Waren im Wert von mehr als 73 Mrd. Euro über den Atlantik. Das Genick gebrochen hat der hiesigen Wirtschaft aber nicht allein die wegbrechende Nachfrage aus den USA. Es sind vielmehr die indirekten Auswirkungen: Wenn die Amerikaner weniger Konsumgüter nachfragen, zieht das auch China und kleinere asiatische Länder nach unten.

Dass Asien ebenfalls Dampf verliert, zerstört ein fest eingeprägtes Weltbild, in dem sich irgendwo auf dem Planeten stets Oasen des Wachstums finden lassen. Unternehmen müssen in Krisenzeiten ihre Expansion nur in konjunkturell unbeschadete Regionen lenken, dann werde die Wirtschaft schon wieder auf Touren kommen, hieß die Devise bisher.

2009 funktioniert das nicht mehr. Rund um den Globus haben Banken und Investoren, Unternehmen und Privatleute das Spiel mit billigen Schulden überdreht, die führende Volkswirtschaft USA vorneweg. "Das Wachstum der Vermögenswerte war eine Illusion, nicht aber das Wachstum der Schulden", schreibt Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman in seinem jüngsten Gastkommentar für die "New York Times". Es werde Jahre dauern, bis der Berg wieder abgetragen ist. Wer noch immer an einen raschen Umschwung wie zuletzt nach dem Terror des 11. September 2001 glaubt, sollte zwei aktuelle Befunde untersuchen, die im täglich gelieferten Zahlensalat zwischen allzu vielen Nullen leicht untergehen.

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