Konjunkturausblick
Warum die Angst vor der Deflation gering ist

Die Inflationsrate ist im Juli in den großen Volkswirtschaften der Euro-Zone unter die Nulllinie gerutscht. Und das zum Teil sehr weit. Zwar werden die Preise in den kommenden Monaten erst einmal weiter sinken, prophezeien Fachleute. Doch das hat aus ihrer Sicht mit Deflation nichts zu tun.

FRANKFURT. In Italien ist es eine Premiere. In Deutschland liegt der letzte Fall mehr als 20 Jahre zurück. Nur in Frankreich geschieht es bereits das dritte Mal in Folge. Die Inflationsrate ist im Juli in den großen Volkswirtschaften der Euro-Zone unter die Nulllinie gerutscht. Und das zum Teil sehr weit: Die französischen Verbraucherpreise fielen im Vergleich zum Vorjahr um 0,7 Prozent, die deutschen um 0,5 Prozent. In der gesamten Euro-Zone gingen sie um 0,7 Prozent zurück, wie am Freitag bekannt gegeben wurde.

Für Verbraucher ist das zunächst eine erfreuliche Botschaft, müssen sie doch weniger Geld für die gleichen Güter zahlen. Aber wie lange geht das so weiter? Droht Deflation? Und damit ein gefährlicher Zustand für die Volkswirtschaft, weil Konsumenten wie Unternehmen in der Erwartung weiter sinkender Preise ihre Konsum- und Investitionspläne aufschieben - und dadurch die Rezession neu befeuern?

Ökonomen sagen nein. Für eine Deflation hatte zunächst gesprochen, dass durch den weltweiten Nachfrageeinbruch die Produktionskapazitäten der Unternehmen deutlich größer waren als die Nachfrage. Das hätte schlimmstenfalls zu einem Wettlauf um Preissenkungen führen können. Doch so weit kam es nicht - die Nachfrage steigt bereits wieder.

Zwar werden die Preise in den kommenden Monaten erst einmal weiter sinken, prophezeien Fachleute. Dass die Preise unter die Null-Prozent-Marke gesunken sind, hat aus ihrer Sicht mit Deflation dennoch nichts zu tun. Denn was wir derzeit erleben, sei die Gegenreaktion auf die im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres enorm gestiegenen Energiepreise. Die hatten im Sommer vergangenen Jahres ihren Spitzenwert erlangt - daher dürfte die Jahresrate der Preise wiederum im Juli ihren Tiefpunkt erreicht haben. Will heißen: Die Preise werden zwar weiter sinken, aber in gedrosseltem Tempo. Fachleute nennen das Basiseffekt. Damit meinen sie die Reaktion in diesem Jahr auf die sehr hohen Energie- und Nahrungsmittelpreise vor rund einem Jahr.

Ob die Preise tatsächlich weiter sinken, hängt damit wesentlich von der weiteren Entwicklung der Ölpreise ab. Gibt es nicht wie im Vorjahr extreme Ausschläge, dürften die Jahresinflationsraten schon bald über der Nulllinie liegen.

Für Deutschland rechnet Ökonom Andreas Rees von Unicredit bereits zu Beginn des kommenden Jahres mit einem Plus von einem Prozent gegenüber dem Vorjahr. Wie in der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone dürfte das Verlaufsmuster im gesamten Währungsgebiet ausfallen. Allerdings könne es zwischen einzelnen Ländern zu Abweichungen kommen - unter anderem, weil Energie und Nahrungsmittel unterschiedlich stark bei der Preisbildung gewichtet würden. Zudem führe die im Augenblick nicht synchrone Konjunkturentwicklung zu einem unterschiedlichen Preissetzungsverhalten der Unternehmen. Während sich die deutsche und die französische Wirtschaft bereits im zweiten Quartal stabilisiert haben, schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt in Italien und Spanien noch.

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