Konjunkturausblick
Was in der Rezession wirklich wirkt

Die Krise hat zumindest ein Gutes: Der Ölpreis stürzte, entlastete die Bürger – und stützt seither die Kaufkraft. Damit wurde das schwarze Gold zum wirksamsten aller Konjunkturprogramme. Aber wie lange noch?

FRANKFURT. Abwrackprämie und Rückzahlungen der Pendlerpauschale, Kindergeld und Rentenerhöhungen, Steuerentlastungen und Absenkung der Arbeitslosenversicherung – all das soll die Kaufkraft stärken und damit die Konjunktur retten. Die Diskussion um die künstlichen Retter rückt einen Faktor in den Schatten, der lange im Fokus stand: das Öl. Dabei war das schwarze Gold zuletzt das wirksamste aller Konjunkturprogramme. Die Frage ist nur: Wie lange wirkt der Effekt noch?

Im vergangenen Jahr hatte der Ölpreis sein bisheriges Rekordhoch erreicht: Anfang Juli kostete Rohöl in Europa mehr als 142 Dollar je Barrel (159 Liter). Die Folge: Die Inflation stieg und stieg. In den Sommermonaten hatte sie in Deutschland über drei Prozent gelegen – und damit weit oberhalb der Zielmarke der Europäischen Zentralbank. Doch inzwischen ist der Ölpreis rutschartig gefallen, im Dezember kostete Öl sogar weniger als 40 Dollar; zuletzt waren es rund 45 Dollar.

Das Paradoxe: Dass der Schmierstoff überhaupt dabei helfen soll, den Absturz der Volkswirtschaften zumindest abzubremsen, liegt ausgerechnet in der Krise begründet – und einer einfachen Gesetzmäßigkeit: Im Abschwung sinkt die Nachfrage und damit der Preis. Weil längst auch die großen Netto-Güterimporteure in die Rezession geschlittert sind, fragen sie weniger Öl und andere Rohstoffe nach – und die Öl- und Rohstoffpreise gehen auf Talfahrt. Während in Ländern wie Russland die Kaufkraft leidet und sich der Abschwung noch verschärft, sorgen die rückläufigen Rohstoffpreise in Volkswirtschaften wie Deutschland dafür, dass die Kaufkraft steigt.

Ein wahres Konjunkturprogramm sei das, jubeln Experten. Was der automatische Stabilisator den künstlichen voraus hat: Er entfaltet seine Wirkung genau dann, wenn die Situation am dramatischsten ist – schließlich sorgt der freie Fall der Wirtschaft ja geradezu für den Preissturz.

Seite 1:

Was in der Rezession wirklich wirkt

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%