Konjunkturaussichten
Die Schuldenkrise frisst Europas Wachstum auf

Trotz verbindlicher Zusagen wird Frankreich die Defizitgrenzen verletzen. Und die Schuldenkrise drückt weiter auf die Wirtschaftsleistung von Spanien und der gesamten Euro-Zone – und es gibt nur eine positive Ausnahme.
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BrüsselDie Euro-Schwergewichte Frankreich und Spanien bekommen ihre Defizite nicht in den Griff. Paris wird im kommenden Jahr auf 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung kommen und es damit nicht – wie verbindlich zugesagt – schaffen, die Maastrichter Defizitgrenze von drei Prozent einzuhalten. Das teilte die EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel in ihrem Herbst-Konjunkturgutachten mit.

Die Kommission sagt zudem für 2013 eine wieder steigende Arbeitslosigkeit in Frankreich voraus. Diese Entwicklung werde in Verbindung mit den angekündigten Steuererhöhungen die Erholung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone bremsen.

Auch Spanien kämpft nach Einschätzung der EU-Kommission noch mindestens zwei Jahre lang mit einem hohen Haushaltsdefizit. Anders als von der Regierung in Madrid selbst berechnet, werde die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone auch 2014 mit einem Haushaltsloch von 6,4 Prozent weit vom vereinbarten Defizitziel von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entfernt sein, sagte die EU-Kommission voraus.

Im kommenden Jahr erreicht es demnach 6,0 Prozent, in diesem Jahr 8,0 Prozent. Spanien steht an der Schwelle des europäischen Rettungsfonds ESM, hat zuletzt aber wiederholt signalisiert, keine Hilfen zur Bewältigung seiner Krise zu brauchen.

Die wirtschaftlichen Aussichten des Landes sind der Prognose zufolge deutlich schlechter als bislang von der Regierung in Madrid eingeschätzt. Die Talfahrt setze sich im kommenden Jahr im selben Tempo fort wie zuletzt, prognostizierte die Kommission. Demnach schrumpft die Wirtschaftsleistung in diesem und im nächsten Jahr um 1,4 Prozent. 2014 könnte das Land zu einem Wachstum von 0,8 Prozent zurückkehren.

Der drittgrößten Euro-Volkswirtschaft Italien geht es besser: Sie wird der Prognose zufolge im kommenden Jahr nur noch um 0,5 Prozent schrumpfen, nach einem Minus von 2,3 Prozent in diesem Jahr. 2014 werde das Land zu Wachstum zurückkehren und das BIP um 0,8 Prozent zulegen. Die Regierung in Rom erwartet bislang ein Plus von 1,1 Prozent für das übernächste Jahr. Gebremst werde die Entwicklung durch die Unsicherheit an den Märkten, erklärten die Konjunkturexperten der Kommission.

Italien wünscht sich seit längerem, dass der spanische Nachbar seinen Teil zur Beruhigung der Investoren beiträgt und sich mit europäischen Hilfen stärkt. Italien wird der EU-Prognose zufolge das Defizitziel kontinuierlich einhalten: Das Minus erreicht demnach in den kommenden beiden Jahren jeweils 2,1 Prozent des BIP nach 2,9 Prozent in diesem Jahr.

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  • @mha
    Uns Steuerzahler kostet der Rückbau nichts. Die Konzerne müssen das bezahlen! Auch das Einlagern wird durch die Konzerne finanziert. Wenn sich die Politik endlich mal entschieden hat! Das Abschalten der Kernkraftwerke hat uns Bürger sehr viel Wohlstand (durch niedrige Strompreise) und Versorgungsstabilität gekostet!

  • Wenn man immer diese Prognosen liest, von irgendwelchen hergelaufenen, viel zu hoch bezahlten Experten erstellt und nach ein paar Monaten wieder korrigiert werden, fest man sich nur an den Kopf.

    Wie kann man eine Prognose für 2014 abgeben, als wenn diese Vögel wüssten was in 2 Jahren ist, die können im Grunde nicht mal die nächste Woche vorraussagen.

    Medienpräsenz, ist für sowas eigentlich überflüssig.

  • Geld ist genügend vorhanden. 2009 wußte man noch, wie man die vorhandenen Finanzvemögen für Wachstumsimpulse herauslocken kann und dazu waren noch manche Maßnahmen in der Summe der Effekte steuerunschädlich. Die positive Erfahrung damit scheint in der Verzweifelungsstarre der Eurokrise untergegangen zu sein. Auch das immense gehortete Geld der Vermögenden wird zur Konjunkturstimulation ausfallen und damit letzlich auch zur schnelleren Vermögensvermehrung der Vermögenden nicht beitragen können, da die Geldvermögenden schließlich auch nur dreimal pro Tag essen können.

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