Konjunkturaussichten schwinden
ZEW-Index rauscht in den Keller

Finanzmarktexperten schätzen die Konjunkturaussichten für Deutschland vor allem wegen des starken Euro und der näher rückenden Mehrwertsteuererhöhung immer skeptischer ein: Der ZEW-Konjunkturindex ist im Juni in den Keller gefallen.

HB MANNHEIM. Der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim monatlich aus einer Befragung von 300 Analysten und Anlegern ermittelte Index sank auf 37,8 von 50,0 Punkten. Damit ging das Konjunkturbarometer den fünften Monat in Folge zurück, es liegt nur noch knapp über seinem historischen Mittelwert von 35,3 Zählern.

ZEW-Präsident Wolfgang Franz, der auch dem Sachverständigenrat der Bundesregierung („Wirtschaftsweise“) angehört, warnte die große Koalition, mit einer verfehlten Wirtschaftspolitik weiteren Kredit zu verspielen. „Angesichts einer Reihe von Irritationen und Fehlentwicklungen in der Wirtschaftspolitik - wie etwa Antidiskriminierungsgesetz, Mehrwertsteuererhöhung, Reichensteuer - setzt sich die Ernüchterung bei den Finanzanalysten fort.“ Werde die Wirtschaftspolitik nicht korrigiert, drohe die Stimmung „gänzlich umzuschlagen“. Belastend wirkten außerdem der starke Euro, der die Exportwirtschaft bremse, und der hohe Ölpreis.

Die aktuelle Lage beurteilten die Experten besser als im Vormonat. Der Indikator stieg auf 11,9 von 8,7 Zählern. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten einen Rückgang der Erwartungen auf 45,0 Punkte und einen Anstieg der Lagekomponente auf 9,3 Punkte erwartet. Die Erwartungen für die Euro-Zone gaben auf 37,3 von 47,7 Zählern nach, der Lageindex verschlechterte sich um 2,8 auf 15,5 Punkte.

Der ZEW-Ökonom Matthias Köhler sagte, die wirtschaftliche Erholung habe den Höhepunkt überschritten. Andreas Scheuerle von der DekaBank unterstrich: „Noch ist der Aufschwung da. Wir befinden uns wahrscheinlich derzeit im Zenit.“ Das zweite Quartal werde ein sehr starkes Wachstum bringen: „Aber wir schlittern in eine Konjunkturdelle, und das zeichnet sich in den ZEW-Konjunkturerwartungen sehr deutlich ab.“

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