Konjunkturbarometer des ZEW sinkt nach der Wahl
Analysten besorgt um Investitionsklima

Die Patt-Situation zwischen den großen Parteien nach der Bundestagswahl hat bei einem ersten ökonomischen Stimmungsbarometer bereits Spuren hinterlassen. Der Index des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) für die von Finanzmarktexperten in den nächsten sechs Monaten erwartete Konjunkturentwicklung ist im September deutlich von 50 Punkten im August auf 38,6 Punkte gesunken. Darin sind auch Stimmen enthalten, die erst nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses abgegeben wurden.

HB BERLIN. Nach der Bundestagswahl beurteilen die Finanzmärkte einer ZEW-Umfrage zufolge die Aussichten für die deutsche Konjunktur skeptischer. Der Saldo der ZEW-Konjunkturerwartungen der rund 300 befragten Analysten und institutionellen Anleger sank im September auf 38,6 von 50,0 Punkten im Monat zuvor, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mitteilte. „Ein wesentlicher Grund für den Rückgang des Indikators ist, dass die Unsicherheiten über den zukünftigen wirtschaftspolitischen Kurs eine Gefahr für das Investitionsklima und damit für den wirtschaftlichen Aufschwung darstellen könnten“, sagte ZEW-Chef Wolfgang Franz. Dabei seien die Einschätzungen der Experten nach der Bundestagswahl am Sonntag deutlich pessimistischer gewesen.

Volkswirte hatten vor der Wahl mit einem Rückgang des Erwartungsindex auf 45,0 Punkte gerechnet. Das ZEW-Barometer liegt aber weiter über seinem langfristigen Durchschnitt von 34,3 Zählern. Zuvor war der Index drei Monate in Folge gestiegen und hatte sich gegenüber dem Mai-Stand fast vervierfacht. „Eine getrennte Auswertung, die nur die Antworten nach dem Wahlsonntag berücksichtigt, ergibt einen deutlich geringeren Indikatorwert im Vergleich zu der Gesamtauswertung“, erklärte Franz.

Wirtschaft und Finanzmärkte hatten sich vor der Wahl die meisten Reformen von einem Bündnis von Union und FDP versprochen, das aber keine Regierungsmehrheit hat. Eine große Koalition zwischen Union und SPD gilt bei den meisten Analysten als Reformbremse.

Die aktuelle Lage bewerteten die Experten etwas weniger pessimistisch als bislang, der entsprechende Indikator stieg auf minus 58,1 von minus 61,1 Punkten. Der Saldo der Erwartungen für die Euro-Zone sank um 9,8 Punkte auf 31,8 Zähler.

Volkswirte zeigten sich eher wenig überrascht über den Rückgang des ZEW-Barometers: „Das war nach dem Rückgang von Ifo und Einkaufsmanagerindex zu erwarten. Dazu kam der offene Wahlausgang“, sagte Christoph Weil von der Commerzbank. Der Indikator sei aber kein Vorbote auf die kommenden Konjunkturindikatoren. „Wir erwarten im zweiten Halbjahr weiterhin eine leichte Belebung der Konjunktur.“ Davon geht auch Jürgen Michels von der Citigroup aus: „Eine Trendwende sehe ich in dem Rückgang noch nicht.“

Ein weiterer Grund für den wachsenden Pessimismus dürfte auch nach ZEW-Ansicht der hohe Ölpreis sein, der die Belebung des privaten Konsums verzögern könnte. Zudem könnte der Hurrikan „Katrina“ die weltweite Konjunkturentwicklung belasten.

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