Konjunkturbarometer
ZEW: „Nur ein Hoffnungsschimmer“

Die politischen Schritte gegen die Wirtschaftskrise zeigen offenbar Wirkung, zumindest psychologisch: Die Stimmung deutscher Finanzexperten hat sich im Februar wesentlich stärker als erwartet aufgehellt. Das ZEW-Konjunkturbarometer verbesserte sich stark. ZEW-Präsident Wolfgang Franz warnt dennoch vor allzu starkem Optimismus.

HB MANNHEIM. Das vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim ermittelte Stimmungsbarometer stieg im Vergleich zum Vormonat um 25,2 Punkte auf minus 5,8 Punkte. Die befragten Experten zeigen sich damit zum vierten Mal in Folge optimistischer hinsichtlich der konjunkturellen Entwicklung in den kommenden sechs Monaten. „Derzeit geht es mit der Konjunktur weiter bergab. Das Erreichen der Talsohle wird allerdings in den nächsten Monaten erwartet. Ab Mitte des Jahres schickt sich die Konjunktur dann an, sich allmählich aus dem Tief zu befreien“, wurde ZEW-Präsident Wolfgang Franz in der Mitteilung vom Dienstag zitiert. Es handele sich dabei aber nur um einen „Hoffnungsschimmer – nicht mehr, aber auch nicht weniger“.

Die Lageeinschätzung trübte sich laut ZEW hingegen weiter deutlich ein. Sie sank um 9,1 Punkte auf minus 86,2 Punkte. Erwartet wurde ein Wert von minus 80 Punkten.

Die Konjunkturerwartungen für die Eurozone haben sich nach Angaben des ZEW im Februar ebenfalls etwas aufgehellt. Die Erwartungen seien um 22,1 Punkte gegenüber dem Vormonat auf minus 8,7 Punkten gestiegen. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im Euroraum sank im Februar hingegen um 6,3 Punkte auf minus 91,0 Punkte.

Nach Einschätzung der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) stützt der unerwartet kräftige Anstieg der ZEW-Konjunkturerwartungen die Hoffnungen auf eine allmähliche konjunkturelle Stabilisierung in der zweiten Jahreshälfte. Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt auch Heinrich Bayer, Volkswirt bei der Postbank. Man könne davon ausgehen, „dass wir den Tiefpunkt der konjunkturellen Entwicklung sehen. Es sollte jetzt innerhalb eines halben Jahres aufwärts gehen.“ Dennoch gebe es noch viel Skepsis, was man an der Einschätzung der aktuellen Lage sehen könne.

Dirk Schumacher von Goldman Sachs hält den Anstieg für eine Konsequenz aus der aktuellen Schwäche: „Je schlechter die Lage ist, desto wahrscheinlicher ist es auch, dass es mittel- bis langfristig wieder besser wird. Das muss man berücksichtigen. Immer mehr Analysten glauben, dass wir das Schlimmste hinter uns haben.“ Der Volkswirt warnt jedoch: „Der ZEW war in der Vergangenheit aber nicht immer der beste Gradmesser für eine Trendwende“ Die Rezession werde noch bis zum Sommer anhalten. „Der Grad der Unsicherheit über die künftige Entwicklung bleibt aber hoch, weil niemand weiß, was im Bankensektor passiert“, sagt Schumacher. Jürgen Michels, Volkswirt bei der Citigroup, geht davon aus, dass das Konjunkturpaket derzeit eine große Rolle spielt: „Davon wird ein großer Impulse für die Stabilisierung ausgehen.“

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