Konjunkturdaten
Britische Wirtschaft wendet Rezession ab

Großbritannien bleibt die dritte Rezession seit Beginn der Finanzkrise offenbar erspart: Im ersten Quartal kann das Bruttoinlandsprodukt leicht zulegen. Besonders die Ölförderung in der Nordsee schiebt die Wirtschaft an.
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LondonDie Wirtschaft in Großbritannien hat sich zu Jahresbeginn berappelt und das Gespenst einer erneuten Rezession vorerst verjagt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg von Januar bis März um 0,3 Prozent zum Vorquartal und damit drei Mal so stark wie von Experten erwartet.

Wie das Statistikamt am Donnerstag in London weiter mitteilte, legte das BIP im Vergleich zum Vorjahresquartal sogar um 0,6 Prozent zu – der stärkste Zuwachs seit Ende 2011. Insbesondere die Dienstleister sorgten mit besseren Geschäften für Auftrieb. Auch sprudelnde Einnahmen aus der Förderung der Öl- und Erdgasvorkommen in der Nordsee schoben die Wirtschaft an.

Im vierten Quartal 2012 hatte es noch ein Minus von 0,3 Prozent gegeben. Auch wenn die Schätzzahlen für das erste Quartal 2013 revisionsanfällig sind, halten Experten ein Absinken unter die Null-Linie für die endgültigen Daten für unwahrscheinlich. Die solide Belebung in Großbritannien überrascht und dürfte sogar das Wachstum in Deutschland überbieten, das die führenden Forschungsinstitute auf 0,2 Prozent taxieren. Doch könnten die britische BIP-Daten von den am Freitag anstehenden Zahlen aus den USA in den Schatten gestellt werden: Jenseits des Atlantiks wird für Januar bis März ein auf das Jahr hochgerechnetes Wachstum von 3,0 Prozent erwartet.

Großbritannien ist mit seinem dominanten Service-Sektor und dem führenden Banken- und Finanzplatz London in den vergangenen Jahren konjunkturell besonders stark unter die Räder gekommen und erholt sich nur schleppend. Daher ist das Aufatmen auf der Insel groß, dass das Land nicht in die dritte Rezession seit Beginn der Finanzkrise abgerutscht ist. Doch Experten warnen, das Vereinigte Königreich könne ähnlich wie Japan in eine lange Stagnationsphase hineingeraten. Wegen der trüben Aussichten für die wirtschaftliche Entwicklung und die Staatsfinanzen entzog mit Fitch bereits die zweite Rating-Agentur dem Land die Bonitätsbestnote AAA.

Finanzminister George Osborne hat es sich zum Ziel gesetzt, das strukturelle Defizit bis zur Mitte des Jahrzehnts auszugleichen. „Für den Moment sieht sich Osborne in seinem Sparprogramm bestärkt und kann gegenüber den Rating-Agenturen und der Opposition wieder mit einer etwas breiteren Brust auftreten“, meint Ökonom Norman Rudschuck von der NordLB. Volkswirt Rob Carnell von Global Economics ING rechnet nach den besser als erwartet ausgefallenen Daten damit, dass die Notenbank eine höhere Dosierung ihrer Konjunkturspritzen noch einige Zeit aufschieben wird. Die Bank of England kann derzeit bis zu 375 Milliarden Pfund (439 Milliarden Euro) durch den Kauf von Anleihen in die Wirtschaft pumpen. Mehrere Spitzenbanker hatten dafür plädiert, diese Summe um 25 Milliarden Pfund aufzustocken.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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